Armes Tier, was zitterst du?
Sieh, Mutter, es ist heil.

(Die Taube streichelnd.)

Bist du erschrocken?

(Sie setzt sich auf den Stufen der Bildsäule links im Vorgrunde nieder, das Körbchen in den Händen; indem sie bald durch Emporheben die Taube zum Fortfliegen anlockt, bald betrachtend und untersuchend sich mit ihr beschäftigt.)

Priester (zum Diener).
Was ist? Befahl ich nicht?

(Der Diener weist entschuldigend auf Hero.)

Priester (zu ihr tretend). Bist du so neu im Dienst,
Daß du nicht weißt was Brauches hier und Sitte?

Mutter (rechts im Vorgrunde stehend).
Mein Herz vergeht. O jammervoller Anblick!

Priester (zu ihr hinübersprechend).
Nun also denn zu dir. Schwachmütig Weib,
Was kommst du her, zu stören diese Stunde?
Und staunst ob dem was du doch längst gewußt,
Der heil'gen Ordnung dieses Götterhauses.
Kein Vogel baut beim Tempel hier sein Nest,
Nicht girren ungestraft im Hain die Tauben,
Die Rebe kriecht um Ulmen nicht hinan,
All was sich paart bleibt ferne diesem Hause,
Und jene dort fügt heut sich gleichem Los.

Hero (die Taube streichelnd).
Du armes Tier, wie streiten sie um uns!