Hero
(ein Körbchen mit Blumen im Arme haltend tritt aus dem Tempel und
steigt die Stufen herab).
Nun, so weit wär's getan. Geschmückt der Tempel,
Mit Myrt' und Rosen ist er rings bestreut
Und harret auf das Kommende, das Fest. Und ich bin dieses Festes
Gegenstand.
Mir wird vergönnt, die unbemerkten Tage,
Die fernhin rollen ohne Richt und Ziel,
Dem Dienst der hohen Himmlischen zu weihn;
Die einzelnen, die Wiesenblümchen gleich,
Der Fuß des Wanderers zertritt und knickt,
Zum Kranz gewunden um der Göttin Haupt,
Zu weihen und verklären. Sie und mich. Wie bin ich glücklich, daß
nun heut der Tag;
Und daß der Tag so schön, so still, so lieblich!
Kein Wölkchen trübt das blaue Firmament,
Und Phöbus blickt, dem hellen Meer entstiegen,
Schon über jene Zinnen segnend her.
Schaust du mich schon als eine von den Euren?
Ward es dir kund, daß jene muntre Hero,
Die du wohl spielen sahst an Tempels Stufen,
Daß sie, ergreifend ihrer Ahnen Recht,
Die Priester gaben von Urväterzeit
Dem hehren Heiligtum—daß sie's ergreifend
Das schöne Vorrecht, Priesterin nun selbst;
Und heute, heut; an diesem, diesem Tage.
Auf jenen Stufen wird das Volk sie sehn
Den Himmlischen der Opfer Gaben spendend.
Von jeder Lippe ringt sich Jubel los,
Und in dem Glanz, der Göttin dargebracht,
Strahlt auf der Priestrin Haupt—
Allein, wie nur?
Beginn ich mit Versäumen meinen Dienst?
Hier sind noch Kränze, Blumen hab ich noch,
Und jene Bilder stehen ungeschmückt? Hier, Hymenäus, der die
Menschen bindet,
Nimm diesen Kranz von einer, die gern frei.
Die Seelen tauschest du? Ei, gute Götter,
Ich will die meine nur für mich behalten,
Wer weiß, ob eine andre mir so nütz'? Dir Amor sei der zweite
meiner Kränze.
Bist du der Göttin Sohn, und ich ihr Kind,
Sind wir verwandt; und redliche Geschwister
Beschädigen sich nicht und halten Ruh'.
So sei's mit uns, und ehren will ich dich,
Wie man verehrt, was man auch nicht erkennt. Nun noch die Blumen
auf den Estrich.—Doch
Wie liegt nur das Geräte rings am Boden?
Der Sprengkrug und der Wedel, Bast und Binden.
Saumsel'ge Dienerinnen dieses Hauses
Euch stand es zu. Übt so ihr eure Pflicht?
Lieg immer denn, und gib ein kundbar Zeugnis—
Und doch, es martert mein erglühend Auge.
Fort, Niedriges, und laß mich dich nicht schaun.
(Sich mit Zurechtstellen beschäftigend.)
Dort kommt der Schwarm, von lautem Spiel erhitzt,
Nunmehr zu tun, was ohne sie vollendet.
(Janthe und mehrere Dienerinnen kommen.)
Janthe.
Ei, schöne Hero, schon so früh beschäftigt?
Hero.
So früh, weil's andre nicht, wenn noch so spät.
(Die Dienerinnen stellen das übrige zurecht.)
Janthe.
Ei seht, sie tadelt uns, weil wir die Kanne,
Das wenige Gerät nicht weggeschafft.
Hero.
Viel oder wenig, du hast's nicht getan.