Graf.
Wenn in jenem Augenblicke
Bei der Fackeln fernem Licht
Mich getäuscht mein Auge nicht,
Wenn er's war, er den ich meine—
Armes, armes Kind, dann weine
Um dich selber, nicht um mich!
Wo ist Jaromir?
Berta (bebend, leise).
Ich weiß nicht.
Graf.
Wo ist Jaromir, mein Kind?
Berta (ihr Gesicht in die Kissen verbergend).
Vater! Vater!
Graf.
Nun, es sei!
Fahre wohl denn, fahre wohl
Meine letzte, einz'ge Hoffnung!
Wohl, die Sonne ist hinunter,
Ausgeglimmt der letzte Schein,
Dunkle Nacht bricht rings herein.
Es ist Schlafens-, Schlafenszeit!—
Gutes Mädchen, armes Kind,
Klage, dulde, leide, stirb!
Dir kann nimmer Segen werden,
Für dich gibt's kein Glück auf Erden,
Bist du ja doch meine Tochter,
Bist doch eine Borotin.
Günther.
Haltet ein, mein gnäd'ger Herr!
Eure matte, wunde Brust
Leidet unter Eurem Sprechen.
Graf.
Laß mich, treuer Diener, laß mich
Noch einmal, am Rand des Grabes,
Diesem wüsten, wirren Leben,
Wüst und rauh und dennoch schön,
Noch einmal ins Auge sehn.
Seine Freuden, seine Leiden
Mich zum letzten, letzten Abschied,
Noch einmal als Mensch mich fühlend,
Drücken an die Menschenbrust.
Noch zum letzten Male schlürfen
Aus dem bittersüßen Becher—
Und dann Schicksal nimm ihn hin!
Berta.
Vater, nein! Nicht sterben!—Nein!
Nein, Ihr dürft nicht, dürft nicht sterben!
Seht, ich klammre mich an Euch
Seht, Ihr dürft, Ihr könnt nicht sterben!
Graf.
Willst du mit den Kinderhänden
In des Schicksals Speichen greifen?
Seines Donnerwagens Lauf
Hält kein sterblich Wesen auf.
(Ein Soldat kömmt.)