(Auf und ab gehend.)

Fort, ihr marternden Gedanken,
Schlingt nicht eure dunkeln Ranken
In dies weichliche Gefühl!
Pfui! Der nie dem Tod gezittert,
Fest und mutig, den erschüttert
Loser Bilder leichtes Spiel!—

Ha, und wenn ich ihn erschlug,
Ihn der mich erschlagen wollte,
Was ist's, daß ich zittern sollte?
Hat die Tat nicht Grund genug?
Hab ich ihm den Tod gegeben,
War's in ehrlichem Gefecht,
Ei, und Leben ja um Leben,
Spricht die Sitte, spricht das Recht!
Wer ist's, der darob errötet,
Daß er seinen Feind getötet,
Was ist's mehr?—Drum fort mit euch,
War ich sonst doch nicht so weich!—

Und wenn's recht, was ich getan,
Warum faßt mich Schauder an?
Warum brennt es hier so heiß,
Warum wird mein Blut zu Eis?
Warum schien's, als ich es tat,
In dem schwarzen Augenblicke,
Teufel zögen mich zur Tat,
Gottes Engel mich zurücke!

Als ich fliehend in den Gang,
Der Verfolger nach mir sprang,
Schon sein Atem mir im Nacken,
Jetzt mich seine Hände packen,
Da rief's warnend tief in mir,
Deine Waffen wirf von dir
Und dich hin zu seinen Füßen,
Süß ist's durch den Tod zu büßen!
Aber rasch, mit neuer Glut
Flammt empor die Räuberwut
Und ruft ungestüm nach Blut.
Vor den Augen seh ich's flirren,
Hör es um die Ohren schwirren,
Geister, bleich wie Mondenglanz,
Wirbeln sich im Ringeltanz,
Und der Dolch in meiner Hand
Glühet wie ein Höllenbrand!
Rette, ruft es, rette dich!
Und blind stoß ich hinter mich.
Ha es traf. Ein wimmernd Ach
Folgt dem raschen Stoße nach,
Mit bekannter, süßer Stimme,
Mit erstorbner Klagestimme.
Bebend hör ich sie erschallen.
Da faßt ungeheure Angst
Mich mit kalten Eises-Krallen.
Wahnsinn zuckt mir durchs Gehirn.
Bebend such ich zu entweichen
Mit dem blutigen Kains-Zeichen
Flammend auf der Mörderstirn.

All mein Ringen, all mein Treiben
Kann den Ton nicht übertäuben,
Immer dröhnt mir dumpf und bang
In das Ohr sein hohler Klang;
Und mag ich mir's immer sagen:
Deinen Feind hast du erschlagen;
Ruft der Hölle gift'ger Hohn:
Das war keines Feindes Ton!—
Doch wer naht dort durch die Trümmer,
Eilig schreitend auf mich zu?
Tor! Den Rückweg findst du nimmer,
Ich muß fallen, oder du.
Denn wenn einmal nur der Tiger
Erst gesättigt seine Wut,
Bleibt die Gierde ewig Sieger
Und sein Innres schreit nach Blut. (Er zieht sich zurück.)

(Boleslav kommt.)

Boleslav.
Gott sei Dank! Es ist gelungen,
Ledig bin ich meiner Haft,
Doch von Mauern noch umrungen
Und schon schwindet meine Kraft.
Daß ich ihn doch finden könnte,
Ihn, den Teuern, den ich suche,
Meinen, seinen, unsern Sohn.
Werf ich mich mit Jaromir
Zu des mächt'gen Vaters Füßen,
O dann muß der Richter schonen,
Trifft desselben Schwertes Streich,
Doch den Sohn mit mir zugleich.

Jaromir (hervortretend).
Das ist meines Vaters Stimme!

Boleslav.
Jaromir!—du bist's?