Jason (steht vor ihr).
Noch immer stumm, noch immer trüb und düster?
O zage nicht; du bist in Freundes Hand.
Zwar geb' ich leicht dem Vater dich nicht wieder,
Ein teures Unterpfand ist mir sein Kind;
Doch soll dir's drum bei mir nicht schlimm ergehn,
Nicht schlimmer wenigstens als mir bei dir.
Wenn ich so vor dir steh' und dich betrachte,
Beschleicht mich ein fast wunderbar Gefühl.
Als hätt' des Lebens Grenz' ich überschritten
Und stünd' auf einem unbekannten Stern,
Wo anders die Gesetze alles Seins und Handelns,
Wo ohne Ursach' was geschieht und ohne Folge,
Da seiend weil es ist.
Dahergekommen durch ein wildes Meer,
Aus Ländern, so entfernt, so abgelegen,
Daß (Wünsche) kaum vorher die Reise wagten,
Auf Kampf und Streit gestellt, lang' ich hier an,
Und sehe dich und bin mit dir bekannt.
Wie eine Heimat fast dünkt mir dies fremde Land,
Und, abenteuerlich ich selbst, schau' ich
Verwundrungslos, als könnt' es so nur sein,
Die Abenteuer dieses Wunderbodens.
Und wieder, ist das Fremde mir bekannt,
So wird dafür mir, was bekannt, ein Fremdes.
Ich selber bin mir (Gegenstand) geworden,
Ein andrer denkt in mir, ein andrer handelt.
Oft sinn' ich meinen eignen Worten nach,
Wie eines Dritten, was damit gemeint,
Und kommt's zur Tat, denk' ich wohl bei mir selber,
Mich soll's doch wundern, was er tun wird und was nicht.
Ein einz'ges ist mir licht und das bist du,
Ja du Medea, scheint's auch noch so fremd.
Ich ein Hellene, du Barbarenbluts,
Ich frei und offen, du voll Zaubertrug,
Ich Kolchis' Feind, du seines Königs Kind
Und doch Medea, ach und dennoch, dennoch!
Es ist ein schöner Glaub' in meinem Land,
Die Götter hätten doppelt einst geschaffen
Ein jeglich Wesen und sodann geteilt;
Da suche jede Hälfte nun die andre
Durch Meer und Land und wenn sie sich gefunden,
Vereinen sie die Seelen, mischen sie
Und sind nun eins!—Fühlst du ein halbes Herz
Ist's schmerzlich dir gespalten in der Brust,
So komm—doch nein da sitzt sie trüb und düster,
Ein rauhes Nein auf meine milde Deutung,
Den Dolch noch immer in geschloßner Hand.
O fort!

(Ihre Hand fassend und den Dolch entwendend.)

Laßt los ihr Finger! Bunte Kränze,
Geschmeid und Blumen ziemt euch zu berühren,
Nicht diesen Stahl, gemacht für Männerhand.

Medea (aufspringend).
Fort!

Jason (sie zurückhaltend).
Bleib!

Medea.
Von hier!

Jason.
Bleib da, ich bitte dich!
Ich sage dir: bleib da! Hörst du, du sollst!
Du sollst, beim Himmel, gält' es auch dein Leben!
Wagt es das Weib, dem Mann zu bieten Trotz?
Bleib!

(Er faßt ihre Arme mit beiden Händen.)

Medea.
Laß!

Jason.
Wenn du gehorchst, sonst nimmermehr!