Königin (die vom Throne gestiegen).
Es wankt mein Knie und steht mir niemand bei!

Manrique.
Die Kraft war mit der Sitte sonst vereint,
Doch wurden sie in jüngster Zeit sich feind,
Die Kraft blieb bei der Jugend, wo sie war,
Die Sitte floh zum altergrauen Haar.
Nehmt meinen Arm. Wie schwankend auch die Schritte:
Die Kraft entfloh, doch treulich hielt die Sitte.

(Er führt die Königin nach rechts ab. Die Stände mit Garceran haben sich durch die Mitteltüre entfernt.—Der König kommt von der linken Seite, hinter ihm sein Knappe.)

König.
Der Braune, sagst du, hinkt? Nun es ging scharf,
Doch hab ich seiner fürder nicht vonnöten.
Laß ihn am Zügel führen nach Toledo,
Dort stellt ihn Ruh' als beste Heilung her.
Ich selber will an meiner Gattin Seite
In ihrer Kutsche mich dem Volke zeigen,
Auf daß es glaubt was es mit Augen sieht
Daß abgetan der Zwist und die Zerwürfnis.

(Der Knappe geht.)

Ich bin allein. Kommt niemand mir entgegen?
Nur kahle Wand und schweigendes Gerät.
Hier haben sie vor kurzem, scheint's, getagt.
Oh, diese leeren Stühle sprechen lauter,
Als jene, die drauf saßen, es getan.
Allein was soll das Grübeln und Betrachten,
Gut machen heißt's; damit denn fang ich an.
Hier geht's hinein zu meiner Fraun Gemächern,
Betret ich denn den unwillkommnen Weg.
(Er nähert sich der Seitentüre rechts.)
Allein die Tür versperrt? Holla, da drinnen,
Der König ist's, der Herr in diesem Haus,
Für mich gibt's hier kein Schloß und keine Tür.

(Eine Kammerfrau tritt aus der Türe.)

Versperrt Ihr Euch?

Kammerfrau.
Die Kön'gin, Majestät—

(da der König mit starkem Schritte hineingehen will)