Der Kleinseitner Ring in Prag.
Volk füllt mannigfach bewegt den Hintergrund. Die drei Wortführer der
Stände kommen von der linken Seite.
Graf Thurn. Laßt uns hinaus, begrüßen den Erzherzog.
Der Vortrab seines Heers nimmt heute nacht
Quartier in unsrer Stadt. Man hofft ihn selbst
Ob freilich nur im Durchzug vorderhand,
Dem künft'gen Untertan den künft'gen Herrn
Mit mildem Segensblick vorerst zu zeigen.
Wie immer denn! Kommt, schließt euch an!
Ist er ja doch der Retter, der Befreier.
Schlick. Nur, fürcht ich, sproßt in ihm der alte Same,
Zur Macht gelangt, wirft er die Maske weg.
Thurn. Für neues Drängen gibt es neue Mittel,
Und sag ich: neue, mein ich nur die alten.
Der leise Widerstand stumpft jeden Stachel,
Und streiten sie um unsre Krone sich,
Verarmen wie im Rechtsstreit beide Teile,
Reich werden Richter nur und Anwalt, wir.
Kommt Zeit, kommt Rat.—Hört ihr die Glocken?
Man hat ihn von den Türmen wohl erblickt
Und dort der erste Trupp von seinen Scharen.
(Geläut von Glocken. Im Hintergrund beginnt von der rechten Seite mit Musik und Fahnen der Vorüberzug von Soldaten. Das Volk drängt sich nach rückwärts, die Blicke eben dahin gerichtet, so daß sie den Zug verdecken und der Vorgrund leer bleibt.—Erzherzog Leopold und Oberst Kamee, in Mäntel gehüllt, kommen von links im Vorgrunde. Herzog Julius folgt ihnen.)
Julius. Ich laß Euch nicht. Ihr müßt zurück zum Kaiser.
Leopold. Ich habe schriftlich seinen hohen Willen,
Nun ist's an mir ihn treulich zu vollziehn.
Julius. Kommt Ihr ins Land mit fremdgeworbnen Truppen,
So gärt der Aufruhr neu, des Kaisers Gegner
Benützen es zu seinem Untergang.
Es ist zu spät.
Leopold. Und früher war's zu früh.
Wann ist die rechte Zeit?