Rudolf. Schon fort? Nun, um so besser!
Mir ist so leicht, so wohl. Gebt mir nur Luft!
Ich will ans Fenster.

Rumpf. Herr, wir leiten Euch.

Rudolf. Was fällt dir ein? Ich fühle Jugendkraft.
(Er versucht aufzustehen.)
Doch ist's der Geist nur, meine Glieder wanken.
Rückt einen Stuhl ins Fenster, ich will Luft.
(Unterstützt ans Fenster gehend, zu Herzog Julius.)
Siehst du? So lohnt die Welt für unsre Sorge.
Sie saugt uns aus und findet uns dann welk,
Indes sie prangt mit unsern besten Kräften.
(Er sitzt.) Das Fenster auf!

Rumpf. Allein, o Herr, bedenkt!
Ihr habt der Luft Euch sorglich stets verschlossen.

Rudolf. Nicht Kaiser bin ich mehr, ich bin ein Mensch
Und will mich laben an dem Allgemeinen.
Wie wohl, wie gut! Und unter mir die Stadt
Mit ihren Straßen, Plätzen, voll von Menschen.

Julius. Und gabt Ihr erst den Fluch in Euerm Zorn.

Rudolf. Tat ich's? Nun ich bereu's. Mit jedem Atemzug
Saug ich zurück ein vorschnell rasches Wort,
Ich will allein das Weh für alle tragen.
Und also segn' ich dich, verlockte Stadt,
Was Böses du getan, es sei zum Guten.

Mein Geist verirrt sich in die Jugendzeit.
Als ich aus Spanien kam, wo ich erzogen,
Und man nun meldete, daß Deutschlands Küste
Sich nebelgleich am Horizonte zeige,
Da lief ich aufs Verdeck und offner Arme
Rief ich: mein Vaterland! Mein teures Vaterland!
—So dünkt mich nun ein Land in dem ein Vater—
Am Rand der Ewigkeit emporzutauchen.
—Ist es denn dunkel hier?—Dort seh ich Licht
Und flügelgleich umgibt es meinen Leib.
—Aus Spanien komm ich, aus gar harter Zucht,
Und eile dir entgegen,—nicht mehr deutsches,
Nein himmlisch Vaterland.—Willst du?—Ich will!
(Er sinkt zurück.)

Rumpf. Ruft Ärzte! Er hat öfter solchen Anfall.
Der Herzschlag geht. Nach Ärzten, Hilfe, schnell!
Und bringt ihn auf sein Bett in jene Kammer!
Ich mag nicht denken, daß es Schlimmres wäre.

Julius (sich entfernend).
Das Schlimmste kennt kein Schlimmres, er erlitt's.
Der Kaiser starb, ob auch der Mensch genese.