Klesel.—Nein!
Ihm hat die Herrschaft aufgedrückt die Makel,
Die sie der Kön'ge besten nur erspart:
Unsicherheit und Mangel an Entschluß.
Doch später, wenn der Samen aufgegangen,
Den man gesät in den entzweiten Landen,
Verwirrung und Empörung, ja der Krieg
In blutigroter Blüte wuchernd sprossen,
Dann wird man pilgern hin zu Kufsteins Toren,
Dann kehr ich heim in siegendem Triumph.
Seyfried (eintretend).
Es drängt die Zeit.
Ferdinand. Sei immer ruhig, Freund,
Er hat dafür gesorgt, daß uns sein Herr
Nicht vor der Zeit hier störe im Beginnen.
Nun aber fort! Es ziemt nicht meiner Würde
Den Schergen hier zu spielen nebst dem Richter.
Obwohl's mich freut, erquickt in meinem Sinn,
—Nicht meinetwillen, nein um Gottes wegen—
Im Staub zu sehn den Mann, der ihm getrotzt.
Glück auf den Weg! Nach Kufstein also rasch!
(Durch die Mitteltüre ab.)
Klesel. Herr Seyfried, seht, ich war Euch stets ein Freund.
Seyfried. Drum habt Ihr meiner Schwester auch verweigert
Die Pension, die ihr zu Recht gebührt.
Klesel. Sie soll sie haben, und verlangt ihr Gold,
Nennt den Betrag bis dreißigtausend Kronen,
Nur gönnt mir Aufschub, eine Viertelstunde.
Laßt mich zu Hause ordnen noch Papiere,
Man hat so viel was nicht für jeden taugt.
Seyfried. Ich bin vom selben Stoff wie meine Waffen:
Die Faust von Eisen und die Brust von Erz.
(Auf die Seitentüre links zeigend.)
Dort unser Weg. Verlegt Euch nicht auf Bitten.
Klesel. Ihr mahnt mich recht. Ich habe hier geboten
Und will nicht betteln um der Bettler Gnade.
Vollführt denn die Befehle Eures Herrn,
Der sich von Eisen fühlt, wie Euer Harnisch
So oft ihn Glaubenseifer vorwärts treibt,
Doch kommt's einmal zu menschlicher Zerwürfnis
Vor jedem zittern wird, der, starken Sinns
Sich dienend aufgedrungen ihm zum Herrn.
Er wird mein Rächer sein. Ich ahn ihn schon
Und höre seine Tritte aus der Ferne.
Ein Diener (der die Mitteltüre öffnet, anmeldend).
Herr Oberst Wallenstein.