König.
Ist Herrschen denn ein Knabenspielwerk?
Ich hab's gesagt, und reif erwogen auch;
Dein Weigern zeigt mir, daß ich recht gewählt.
Wo ist mein Sohn? bringt meinen Sohn zum Abschied!
Hier, dies Papier bezeichnet deinen Kreis;
Wie vorwärts nicht, so rückwärts nicht gefußt!
Denn, was du darfst, ist dem gleich, was du mußt.
Kannst du den Herzog hier im Heere brauchen,
So tu's; wenn nicht, ich stell es dir anheim.
Geh hin, und küß die Hand der Königin,
Sei ihr zu Dienst, und bitt um ihre Gnade.
Wo ist mein Sohn?
Bancbanus (sich der Königin nähernd).
Erlauchte Frau, erlaubt!
Gertrude (ihre Hand heftig zurückziehend).
Tolldreist und Tor!
König.
Was ist? Gertrude, wie?
Verweigerst du die Hand dem Manne, dem—
Gott und Gericht! Ist das der volle Dank?
Beginnt der Unfried, eh' ich noch geschieden?
Gib deine Schrift! Bancbanus, gib die Vollmacht!
Vor weiterm will ich wohl mein Land bewahren!
Die Königinnen saßen sonst am Kunkel,
Solang ihr Mann im Feld. Bancbanus, gib!
Ich will Euch Grenzen setzen, daß Ihr's wahrnehmt,
Und wärt Ihr blind vor Hochmut und vor Grimm!
Gertrude.
Hier meine Hand! Ich werd Euch gnädig sein,
Wenn Ihr's verdient.
König.
Geh hin, Bancban, geh hin!
Was? Seh ich recht? Wohl eine Träne gar?
Bancbanus.
Ich sagt Euch's, Herr! Ich tauge nicht dafür!
König.
Du taugst, mein Freund, nur du! Küß ihre Hand.
Ob heftig zwar, ist sie gerecht und klug.
(Man hat den kleinen Bela gebracht. Bancbanus küßt die Hand der Königin.)
Und nun, lebt wohl! Gertrude, teures Weib!
Bela, mein Sohn! Mein gutes, liebes Kind!
Lebt wohl, ihr alle! alle meine Freunde!
(Zu Bancbanus.)
Vor andern aber wend ich mich zu dir,
Dem ich mein Haus vertraue, Weib und Kind.
Als ich dich wählte, dacht' ich Ruhe mir,
In Feld und Stadt, in Schloß und Hütten Ruhe.
Die fordr' ich nun von dir. Kehr ich zurück,
Und finde sie gestört, die fromme Ruhe;—
Nicht strafen werd ich dich, nur dich vermeiden,
Und stirbst du, setzen auf dein ruhmlos Grab:
Er war ein Greis, und konnte sich nicht zügeln;
Er war ein Ungar, und vergaß der Treu;
Er war ein Mann, und hat nicht Wort gehalten!
Doch wird's nicht kommen so, ich weiß, ich weiß!
Lebt alle wohl, und Gott sei über euch!
(Er geht.)