Bancbanus.
Die Königin mag wohl in Sorgen sein
Ob jenes Streits; den Ausgang meld ich ihr.

Erny.
Und lässest du mich so allein? Bancbanus,
Willst du dein Weib nicht strafen und nicht hüten?

Bancbanus.
Bestrafen? Hüten? Ei, sag du nur selbst,
Wie fang ich's an? Führ ich dich tobend heim?
Versperre dich ins innerste Gemach
Mit Schloß und Riegel, unter Tor und Gitter,
Verschreib ich Stumme mir aus Mohrenland,
Verschnittne, die mein Weib allsehend hüten.
Und nachts, die Diebslaterne in der Hand,
Schleich ich mich hin, und forsche, ob's noch schließt?
Die Ehre einer Frau ist eine ehrne Mauer,
Wer sie durchgräbt, der spaltet Quadern auch.

Erny.
O hart, zu hart, Bancban, mein Gatte!

Bancbanus.
Ich bin wohl alt genug, und du bist jung,
Ich lebensmüd und ernst, du heiter blühend,
Was gibt ein Recht mir, also dich zu quälen?
Weil du's versprachst? Ei, was verspricht der Mensch!
Weil's so die Sitte will? Wer frägt nach Sitte.
Wenn nicht in deiner Brust ein still Behagen,
Das Flüstern einer Stimme lebt, die spricht:
Der Mann ist gut, auf Rechttun steht sein Sinn,
Er liebt, wie keiner mich, und wie zu keinem
Fühl ich zu ihm Vertraun. Wenn's so nicht spricht,
Dann Gott mit dir, und mit uns allen, Erny,
Dann schreib dem Prinzen nur!

Erny.
Mann! Gatte! Vater!

Bancbanus.
Ich weiß wohl, was sie sagen: Seht den Alten,
Er freit' ein junges Weib. Er täuscht, man zwingt sie.
Sag, Erny, selbst, wardst du getäuscht, gezwungen?
Von wem? und wann? Als Nemaret, dein Vater,
Im Tod zusammenfügte unsre Hände,
Der blühnden Tochter und des Jugendfreundes,
Dem Schutz dich anvertrauend eines Gatten,
Wer zögerte, dein rasches Wort zu nehmen?
Wer schob die Heirat auf? Wer bat, beschwor dich,
Dein Alter zu bedenken, und das seine?
Allein du wolltest, und er fügte sich,
Weiß Gott, wie gern. Wenn's nun dich reut—

Erny.
Bancban!
So lag der Prinz vor mir auf seinen Knien,
So werf ich mich vor dich hin, ach, und schwöre.

Bancbanus.
Was fällt dir ein? Du knien vor mir, und schwören?
Dein Wort sei ja! und nein! weißt du dich schuldlos,
Tritt hin vor mich und sag: Ich bin's! Hörst du?
Ich bin's, bin schuldlos!—und sieh mir ins Auge!
Nichts da! Den Blick nicht auf den Boden! Hier,
Auf mich dein Aug'!—Ja so, es schwimmt in Tränen?!
—Mißhandeln, Kind, mißhandeln wollt' ich nicht!
Senk nur die Stirne, leg sie an dies Herz,
Und was du weißt, das flüstre leis ihm zu,
Es wird dich hören, wie es dir verzeiht.

Erny.
Verzeihn? O bittres Wort!