(Mit mehreren Gefangenen ist der Kanzler hereingebracht worden, er stürzt hin.)
Kanzler.
O Herr! Du mein verirrter, wackrer Herr!
(Er nimmt Ottokars Haupt in seinen Schoß.)
Rudolf.
So liegst du nackt und schmucklos, großer König,
Das Haupt gelegt in deines Dieners Schoß,
Und ist von deinem Prunk und Reichtum allen
Nicht eine arme Decke dir geblieben,
Als Leichentuch zu hüllen deinen Leib.
Den Kaisermantel, dem du nachgestrebt,
Ich nehm ihn ab und breit ihn über dich,
(er tut es)
Daß als ein Kaiser du begraben werdest,
Der du gestorben wie ein Bettler bist.
Bringt ihn nach Laa und stellt ihn fürstlich aus,
Bis man ihn holt zur Ruhstatt seiner Ahnen.
(Er entblößt das Haupt und betet still, die andern tun dasselbe.
Kunigunde verhüllt sich, Zawisch blickt starr vor sich. Pause.)
Berta (noch immer auf den Sargdeckel gelehnt).
Und vergib uns, als auch wir vergeben!
Und führ uns nicht in Versuchung!
Rudolf.
Nicht führ' uns in Versuchung, großer Gott!
Und nun, mein Sohn, im Angesicht der Leiche,
Vor diesem Toten, der ein König war,
Belehn ich dich mit Östreichs weitem Erbe.
(Auf seinen Wink knieen seine beiden Söhne nieder. Er spricht immer
vorzugsweise zu dem ältern.)
Sei groß und stark, vermehre dein Geschlecht,
Daß es sich breite in der Erde Fernen
Und Habsburgs Name glänze bei den Sternen!
Du steh in allem deinem Bruder bei!
Doch solltet ihr je übermütig werden,
Mit Stolz erheben euren Herrscherblick,
So denkt an den Gewaltigen zurück,
Der jetzt nur fiel in Gottes strenge Hände,
An Ottokar, sein Glück und an sein Ende!
Steh auf! und du! Und niemals kniee wieder,
Ich grüße dich als dieses Landes Herrn.
Und ihr auch grüßt ihn, laßt es laut erschallen,
Daß weit es sich verbreite, donnergleich:
Dem ersten Habsburg Heil in Österreich!
Alle.
Heil! Heil!—Hoch Österreich!—Habsburg für immer!
(Indem alle unter Trompeten und Jubelgeschrei niederknieen, um die
Huldigung zu leisten, fällt der Vorhang.)