Bürgermeister.
Eu'r Hoheit—
Ottokar.
Ja?
Bürgermeister.
Noch nicht.
Ottokar.
Warum nicht? Gottes Feu'r! Warum nicht?
Bürgermeister.
Wir wollten noch einmal Eu'r Hoheit angehn,
Eh' wir vertrieben so viel treue Böhmen—
Ottokar.
Vertrieben! Was vertrieben! Wollt' ich das?
Sie sollten nach Chrudim, dort waren Äcker
Und Baugrund ihnen dreifach angewiesen,
Und dreifach alle Kosten der Versetzung.
Doch aus der Vorstadt sollen sie heraus.
Sie sollen, müssen! Müssen, Gottes Donner!
Ich weiß wohl, was ihr mögt, ihr alten Böhmen:
Gekauert sitzen in verjährtem Wust,
Wo kaum das Licht durch blinde Scheiben dringt;
Verzehren, was der vor'ge Tag gebracht,
Und ernten, was der nächste soll verzehren,
Am Sonntag Schmaus, am Kirmes plumpen Tanz,
Für alles andre taub und blind;
So möchtet ihr: ich aber mag nicht so!
Wie den Ertrinkenden man faßt am Haar,
Will ich euch fassen, wo's am meisten schmerzt;
Den Deutschen will ich setzen euch in Pelz,
Der soll euch kneipen, bis euch Schmerz und Ärger
Aus eurer Dumpfheit wecken und ihr ausschlagt
Wie ein gesporntes Pferd. Ihr denkt der Zeit,
Da eure Fürsten saßen an dem Herd
Und einen Kessel führten in dem schnöden Wappen;
Ich bin kein solcher, straf mich Gott!
(Man hat ihm den Mantel umgegeben.) Seht her!
Der Mantel ward in Augsburg eingekauft.
Das Gold, der Samt, die Stickerei, das Ganze,
Könnt ihr das machen hier in eurem Land?
Ihr sollt! bei Gott, ihr sollt! Ich will euch's lehnen—
Mit Köln und Wien, mit Lunden und Paris
Soll euer Prag hier stehn in einer Reihe!
Die Länder, die euch herrisch sonst gehöhnt,
Ich habe sie bezwungen mit dem Schwert:
Der Ungar flieht, der Baierfürst hält Ruh',
Und Österreich, die wackre Steiermark
Und Portenau und Krain und Deutschlands Eger,
Ich habe sie vereinigt meinem Reich.
In alle Fernen trug ich Böhmens Namen,
Aus allen Fernen tönt zurück sein Ruhm.
Wie meine Väter konnt' ich ruhig schlafen,
Euch lassen schlafen, so wie eure Väter;
Für wen hab ich's getan? Für euch!
Doch sollt ihr nach, des geb ich euch mein Wort!
Hin auf des Berges Mitte stellt' ich euch,
Und nun klimmt weiter oder brecht den Hals!
(indem er sich abwendet.)
Daß mir die Deutschen in die Vorstadt kommen.
(Kanzler tritt ein und nähert sich dem Könige.)
Ottokar.
Was ist?
Kanzler.
Die Königin, wie Ihr befahlt.
Ottokar (wieder zu den Bürgern gewendet).
Auch das noch, das noch, seht, um euretwillen!
Was einem jeden Mann das Teuerste,
Die Ruh' im eignen Haus, hab ich gestört,
Um eure Ruh', um eurer Kinder Ruhe.
Damit nach meinem Tod mein Reich nicht erblos,
Mein Werk das Spiel nicht werde innern Zwists,
Hab ich von Margarethen mich getrennt,
Die keines Erbens Hoffnung mehr gewährt,
Und neuer Bande Wechsel mich gefügt.
(Zur ganzen Versammlung sich gewendet.)
Ja, ja, ihr Herrn, damit ihr's alle wißt:
Zur Festigung des nur geschloßnen Friedens
Hat König Bela mir die Hand geboten
Von Kunigunden, seinem Enkelkind,
Des Herzogs von Massovien einz'gen Tochter.
Da nun seit lang die Bischöfe des Reichs
Mich warnten meiner Eh' mit Margarethen;
Wie denn auch manches sonst dagegen spricht:
Denn erstens ist sie alt und unfruchtbar,
Kein Erbe läßt sich mehr von ihr erwarten;
Dann ist sie mir verwandt in—was weiß ich,
In welchem und wievieltem Grad, und endlich—
Allein wozu noch lange eins und zwei;
Denn erstens, zweitens, drittens: bleibt's dabei!
Die Königin wird kommen, Handfest unterzeichnen,
Die Schenkung wiederholen ihrer Lande,
Und des zu Zeugen seid ihr hier versammelt.
(Er besteigt den Thron.)