Margarethe.
Ich könnte manches noch entgegensetzen!

Ottokar.
Wozu? Es bleibt der Spruch in Kraft.

Margarethe.
Doch unterwerf ich mich!

Ottokar (vom Throne steigend).
Nun gut, was mehr?

Margarethe.
Und geh von hinnen, wie man es begehrt—

Ottokar (auf sie zugehend).
Mich freut, daß ich Euch klug und billig finde;
So hab ich Margarethen stets gekannt
Und stets geachtet Euch als eine solche.
Es ist ja nicht der Jugend wilder Kitzel,
Der gärend feur'ge Drang nach Neuerung,
Was mich Euch meiden heißt; es ist mein Land,
Das in mir Ehen schließt und Ehen scheidet.
So hoch ein Mensch mag seine Größe setzen,
So hoch hat Ottokar gesetzt die seine.
In Böhmen herrsch ich, bin in Mähren mächtig;
Zu Östreich hab ich Steier mir erkämpft,
Mein Oheim siecht, der Kärnten nach mir läßt.
(Vertraulich und leiser.)
Im nahen Ungarn hab ich meine Hand,
Die Großen sehn auf mich, die Mißvergnügten;
Es will mir Schlesien wohl, und Polen schwankt,
Wie sturmgepeitscht ein Schiff, in meinen Hafen.
(Wieder lauter.)
Vom Belt bis fern zum Adriat'schen Golf,
Vom Inn bis zu der Weichsel kaltem Strand
Ist niemand, der nicht Ottokarn gehorcht;
Es hat die Welt seit Karol Magnus' Zeiten
Kein Reich noch wie das meinige gesehn.
Ja, Karol Magnus' Krone selbst,
Sie dünkt mich nicht für dieses Haupt zu hoch.
Nur eines fehlte noch; nur eins und—alles:
Der Erbe, der's empfängt aus meiner Hand.
Den Giebel setz ich auf an meinem Bau;
Margrethe, weiß ich, wird mir's nicht mißgönnen.

Margarethe.
Ich gönn Euch alles, gönn Euch mehr als mir!
Auch ist's mein Vorteil nicht, es ist der Eure,
Was mich noch einmal warnend sprechen heißt.
Geliebt es Euch, so folgt mir nebenan—

Ottokar.
Sprecht immer hier; nur unter Königen
Ist Ottokar der König, nicht allein.
Die hier gehorchen—

Margarethe (schnell).
Doch wie lange, Herr?
Das ist's, woran ich warnend mahnen wollte!
(Näher zu ihm tretend.)
Die Länder all, das Erbe meines Hauses,
Sie wurden Euch durch Margarethens Hand.
Weiß Gott, ich scheide gern! Doch wie ich scheide,
Schwingt wieder Aufruhr zischend seine Fackel,
Und gegen Euch—

Ottokar.
Seid Ihr 'ne Bäckersfrau,
Die ihren Altknecht freit auf ihr Gewerb',
Und fürchtet Ihr, sie kommen, von der Stadt,
Und nehmen mir's, sobald die Herrin fort?
(Halb gegen die Stände gewendet.)
Ich halte sie, seht Ihr? mit dieser Hand—
Sie sollen sich nur regen, wenn sie's wagen!