Kanzler.
So dachte mancher, der ihn wählen half;
Doch hat sich's anders, unverhofft bewährt.
In Aachen schon, als man die Lehen gab
Und sich kein Szepter fand—man wollt' ihn stören!—
Da trat er hin und nahm vom Hochaltar
Ein Kruzifix—
Ottokar.
Und gab die Lehn damit?
Wer geben will, der findet leicht ein Werkzeug;
Zum Nehmen rüst' er kräftiger sich aus!
Kanzler.
Die Ruh' ist hergestellt im weiten Deutschland,
Die Räuber sind bestraft, die Fehden ruhn.
Durch kluge Heirat und durch kräft'ges Wort
Die Fürsten einig und ihm eng verbunden;
Der Papst für ihn. Im Land nur eine Stimme,
Ihn preisend, benedeiend als den Retter.
Als auf der Donau nur allsamt dem Heer
Nach Wien er niederfuhr mit lautem Schall,
Da tönte Glockenklang von beiden Ufern,
Von beiden Ufern tönte Jubelruf
Der Menge, die dort kam und staunt' und kniete,
Wie sie den Kaiser sahn im grauen Röcklein
Am Vorderteil des Schiffes stehn allein
Und freundlich grüßend mit des Hauptes Neigen.
Herr, nennt ihn Kaiser, denn fürwahr er ist's!
Ottokar.
Sprichst du so warm für ihn?
Kanzler.
Für Euch wohl wärmer.
Hab ich ihm denn geschworen, so wie Euch?
Doch, daß zwei Herrn, so hoch, so würdevoll,
Sich gegenüberstehn, da's nur ein Wort,
Ein Wort nur brauchte, um sie auszusöhnen—
Ja, Herr, es ist gesagt! Es sei gesagt!
Und mögt Ihr zürnen, melden muß ich's Euch:
Der Kaiser hat gesendet einen Herold
Und lädt Euch ein zu gütlichem Gespräch.
Ottokar.
Schweig still!
Kanzler.
Die Insel Kaumberg ward ersehn;
Von beiden Teilen werde sie besetzt.
Nicht Ihr zu ihm, nicht er zu Euch,
Auf gleichgeteilten Boden sollt Ihr kommen
Und dort verhandeln, was uns allen nützt.
Ottokar.
Bei meinem Zorn—!
Kanzler.
Herr, selbst bei Eurem Zorn!
Nicht schweig ich da, wo reden meine Pflicht!
(Zawisch von Rosenberg kommt.)