Rudolf.
Hier aber gilt's nicht Fehde; Ruhe, Herr!
Die Lande Österreich und Steiermark,
Mit Kärnten und mit Krain, der Wind'schen Mark,
Als ungerecht dem Reiche vorenthalten,
Gebt wieder Ihr zurück in meine Hand!
Ist hier nicht Feder und Papier? wir wollen
Die Handfest gleich in Ordnung bringen lassen!

Ottokar.
Ha, beim allmächt'gen Gott! wer bin ich denn?
Ist das nicht Ottokar? nicht das sein Schwert?
Daß man in solchem Ton zu sprechen wagt!

Wie aber dann, Herr, wenn, statt aller Antwort,
Der Donau breiten Pfad zurück ich messe
Und weiter frag an meines Heeres Spitze?

Rudolf.
Noch vor zwölf Monden kamt Ihr mir zurecht,
Wenn Ihr der Waffen blut'gen Ausspruch wähltet!
Ihr seid ein kriegserfahrner Fürst, wer zweifelt?
Und Euer Heer, es ist gewohnt zu siegen;
Von Gold und Silber starret Euer Schatz:
Mir fehlt's an manchem, fehlt's an vielem wohl!
Und doch, Herr, seht! bin ich so festen Muts,
Wenn diese mich verließen alle hier,
Der letzte Knecht aus meinem Lager wiche;
Die Krone auf dem Haupt, den Szepter in der Hand
Ging ich allein in Euer trotzend Lager
Und rief Euch zu: Herr, gebet, was des Reichs!
Ich bin nicht der, den Ihr voreinst gekannt!
Nicht Habsburg bin ich, selber Rudolf nicht;
In diesen Adern rollet Deutschlands Blut.
Und Deutschlands Pulsschlag klopft in diesem Herzen.
Was sterblich war, ich hab es ausgezogen
Und bin der Kaiser nur, der niemals stirbt.
Als mich die Stimme der Erhöhung traf,
Als mir, dem nie von solchem Glück geträumt,
Der Herr der Welten auf mein niedrig Haupt
Mit eins gesetzt die Krone seines Reichs,
Als mir das Salböl von der Stirne troff,
Da ward ich tief des Wunders mir bewußt
Und hab gelernt, auf Wunder zu vertraun!
Kein Fürst des Reichs, der mächt'ger nicht als ich;
Und jetzt gehorchen mir des Reiches Fürsten!
Die Friedensstörer wichen meiner Stimme;
Ich konnt' es nicht, doch Gott erschreckte sie!
Fünf Schilling leichtes Geld in meinem Säckel,
Setzt' ich in Ulm zur Heerfahrt mich ins Schiff;
Der Baierherzog trotzte, er erlag;
Mit wenig Kriegern kam ich her ins Land,
Das Land, es sandte selbst mir seine Krieger!
Aus Euren Reihen traten sie zu mir,
Und Österreich bezwingt mir Österreich.
Geschworen hab ich: Ruh' und Recht zu schirmen:
Beim allessehenden, dreiein'gen Gott!
Nicht so viel, sieh! Nicht eines Haares Breite
Sollst du von dem behalten, was nicht dein!
Und so tret ich im Angesicht des Himmels
Vor dich hin, rufend: gib, was du vom Reich!

Ottokar.
Die Lande hier sind mein!

Rudolf.
Sie waren's nie!

Ottokar.
Mein Weib Margrethe brachte sie mir zu!

Rudolf.
Wo ist Margrethe nun?

Ottokar.
Wo immer, gleichviel!
Sie gab mir dies ihr Land!

Rudolf.
Soll ich sie selber
Als Richtrin stellen zwischen uns?—Sie ist im Lager!