Knappe.
So, jetzt ist niemand hier, mein gnäd'ger Herr!
(Ottokar kommt, in einen dunkeln Mantel eingehüllt, ein schwarzes Barett mit schwarzen Federn tief in die Augen gedrückt.)
Diener.
Den Kanzler soll ich holen? Gnäd'ger Herr,
Beliebt Euch lieber nicht ins Schloß zu treten?
(Ottokar schüttelt das Haupt.)
Diener.
Zwei Tage habt ihr nicht gegessen, nicht
Geschlafen; denkt an Euer teures Leben!
(Der König lacht höhnisch auf.)
Diener.
Laßt Euch erbitten, geht ins Schloß, mein König!
(Ottokar stampft ungeduldig mit dem Fuße.)
Diener.
Ich gehe denn! doch laßt Euch nieder, Herr!
(Geht ab ins Schloß.)
Ottokar.
Ich sollte dich betreten, Schloß der Väter?
Die Schwelle dir entweihn mit meinem Fuß?
Als ich im Sieg, im jubelnden Triumph
Zu dir heranzog durch die lauten Gassen,
Erstrittne Fahnen dir entgegenhielt;
Da machtest du mir deine Pforten auf
Und meine Väter sahn von deinen Zinnen.
Für Helden ward gewölbt dein hoher Bau,
Und kein Entehrter hat ihn noch betreten!
Hier will ich sitzen, als mein eigner Pförtner,
Und Schande wehren ab von meinem Haus.
(Er setzt sich auf die Stufen am Ausfallstor und verhüllt sein Haupt.)
(Der Bürgermeister von Prag und einige Bürger kommen.)
Bürgermeister.
Ei, laßt mich, ich muß eilen in den Rat.
Ein Herold von des Kaisers Majestät
Ist angelangt, da darf man sich nicht säumen,
Denn Böhmen ist nun wieder an dem Reich.
Der König hat es feierlich gelobt,
Den Eid der Treue knieend übernommen.