Zawisch.
Was meine Brüder tun, das tu ich auch!
Der allgemeinen Not werd ich mich nicht entziehn.
(Er geht.)
Ottokar (der ihm nachgesehen hat, mit Gebärde)
Der hat's hier hinterm Ohr, dem trau ich nicht!
Du, Milota, du bist mein Mann!
Ich glaube wohl, daß du auch hassen kannst,
Betrügen nicht! Dir will ich mich vertraun!
Herr Kanzler, seid Ihr fertig?
Kanzler (der sich zum Schreiben gesetzt hat).
Ja, mein König!
Ottokar.
Wir haben viel durch Raschheit eingebüßt,
Wir müssen uns durch Vorsicht wieder helfen.
Nicht wahr, so ist's dir recht, mein alter Kauz?
Kanzler.
O König, scheltet mich, wie sonst, mit Raschheit,
Mir tät' es wohler, als die Milde jetzt.
Ottokar.
Schreib an den Hauptmann du der Stadt von Znaim,
Er soll mit tausend Mann—doch nein, zu viel!
Die Feste bleibt indessen mir entblößt.
Nein, mit fünfhundert Mann soll er die Grenze
Allein fünfhundert sind zu wenig. (Auf Milota.) Nicht wahr?
Schreib lieber, daß von Iglau—Wieder nichts!
Mein Kopf ist wüst; zwei Nächte nicht geruht,
Gegessen auch nicht.—Leih mir deine Bank,
Ich will versuchen hier zu ruhn.
Kanzler.
Mein König,
Gefällt's Euch nicht, ins Schloß—?
Ottokar.
Nein, nein, nein, nein!
Doch holt mir meine Frau; sie ging im Zorn.
Sie soll zu mir sich setzen, soll mir sprechen,
Bis sich der Schlaf auf meine Wimpern senkt.
Mein Freund, tu mir die Lieb' und geh nach ihr!
(Diener ab.)
Ottokar.
Wie wohl es tut, die Glieder auszustrecken,
Ist einer müd! Seht mal nach Merenberg;
Der alte Mann mag hart im Kerker ruhn!
Ist er ein Schurk' auch, soll man ihn nicht quälen
Und soll ihm geben ritterliche Haft.