Libussa. Von allen Worten, die die Sprache nennet,
Ist keins mir so verhaßt als das von Recht.
Ist es dein Recht wenn Frucht dein Acker trägt?
Wenn du nicht hinfällst tot zu dieser Frist,
Ist es dein Recht auf Leben und auf Atem?
Ich sehe üb'rall Gnade, Wohltat nur
In allem was das All für alle füllt,
Und diese Würmer sprechen mir von Recht?
Daß du dem Dürft'gen hilfst, den Bruder liebst,
Das ist dein Recht, vielmehr ist deine Pflicht,
Und Recht ist nur der ausgeschmückte Name
Für alles Unrecht das die Erde hegt.
Ich les in euren Blicken wer hier trügt,
Doch sag ich's euch, so fordert ihr Beweis.
Sind Recht doch und Beweis die beiden Krücken,
An denen alles hinkt was krumm und schief.
Vergleicht euch! sonst zieh ich das Streitgut ein
Und lasse Disteln säen drauf und Dornen
Mit einer Überschrift: Hier wohnt das Recht.

Erster Streitender. Doch du erlaubst, o Fürstin, daß den Anspruch
Wir Männern unsersgleichen legen vor.

Libussa (sich wegwendend).
Wenn Gleiches sie begehren sind sie gleich,
Doch Gleiches leisten, stört mit eins die Gleichheit.

(Die drei Wladiken kommen mit dem Knaben der das Kissen trägt.)

Noch mehr der Toren! Wollt ihr auch ein Recht?

Domaslav. Ja Fürstin, ja; und zwar auf deine Hand.

Libussa. Nicht mehr als das? Fürwahr ihr seid bescheiden.

Lapak. Gelöst ist die Bedingung, die du setztest.

Domaslav. Wir haben was du fordertest. Hier ist's.
(Auf das Kissen zeigend.)

Libussa. So habt ihr ihn getötet?