Gehöft vor Primislaus' Hütte wie zu Anfang des ersten Aufzuges. Ein umgewendeter Pflug rechts im Vorgrunde.

Primislaus (rechts in die Szene sprechend).
Bringt nur die Stiere zum ersehnten Stall!
Der Pflug bleibt hier. Ich will darauf mich setzen.
Der Tag war heiß, die Arbeit ist getan.
(Er setzt sich, die Stirn in die Hand stützend.)
Nun wackrer Pflügersmann, es steht dir wohl
Aus deinem schlichten Tun den Blick zu heben
Nach dieses Lebens Höhn, vom Tal zum Gipfel.
Zwar heißt's, es war in längstentschwundner Zeit
Im Lande weit begütert unser Stamm
Und licht und hehr in seinen ersten Wurzeln.
Allein was soll das mir? Ist heut doch heut,
Und Gestern aus demselben Stoff wie Morgen.

Nebstdem, daß wär' ich einer der Wladiken,
Ich mich nicht stellte zu so hoher Werbung.
Denn wie im Bienenstock die Königin
Nicht nur die höchste, einzig ist, allein,
Von niedern Drohnen nur zur Lust umflattert,
Indes die Arbeitsbienen Honig baun,
So ist der auf dem Throne sitzt, nur sich,
Sich selber gleich und niemandes Genoß.
Der Fürst verklärt die Gattin die er wählt,
Die Königin erniedrigt den als Mann,
Den wählend sie als Untertan erhöht,
Denn es sei nicht der Mann des Weibes Mann,
Das Weib des Mannes Weib, so steht's zu Recht.
Drum wie die Frau ist aller Wesen Krone,
Also der Mann das Haupt, das sich die Krone aufsetzt,
Und selbst der Knecht ist Herr in seinem Haus.
(Er ist aufgestanden.)
So sprichst du, prahlst, und trägst im Busen doch
Was dich an jene Hoffnung jetzt noch kettet.

Man sage nicht das Schwerste sei die Tat,
Da hilft der Mut, der Augenblick, die Regung;
Das Schwerste dieser Welt ist der Entschluß.
Mit eins die tausend Fäden zu zerreißen
An denen Zufall und Gewohnheit führt,
Und aus dem Kreise dunkler Fügung tretend
Sein eigner Schöpfer zeichnen sich sein Los,
Das ist's wogegen alles sich empört
Was in dem Menschen eignet dieser Erde
Und aus Vergangnem eine Zukunft baut.
Daß sie mein denkt, daß wach in ihrer Seele
Mein Bild—nicht einmal das: ein Traum, ein Nichts,
Das tausend Formen so wie meine kleiden,
Das nicht einmal ein Name ihr bezeichnet,
Kein Gleichnis, denn sie sah mich damals kaum
Als uns die Nacht im Wald zusammenführte,
Das weckt in mir ein gleichverworrnes Nichts,
Das doch mein Glück ist, meines Lebens Säule,
Und das zerstören ich nicht mag, nicht kann.

Wär' sie ein Hirtenmädchen, nicht Libussa,
Und ich der Pflüger der ich wirklich bin,
Ich träte vor sie hin und sagte: Mädchen,
Ich bin derselbe dem du einst begegnet.
Sieh hier das Zeichen. Wird's nun licht in dir,
Wie längst in dieser Brust, so nimm und gib!
(Die Hand hinhaltend.)
Dann könnte sie nicht sprechen: Guter Mann,
Stellt dort euch zu den Dienern meines Hauses,
Des, wes ihr mich erinnert, denk ich kaum.

Ei wackrer Mann, setz dich nur wieder hin,
Nimm Käs' und Brot aus deiner Pflügertasche
Und halte Mahl am ungefügen Tisch.
Ist's eignes Brot doch, das erhält und stärkt,
Das Brot der Gnade nur beengt und lastet.
(Er hat sich wieder gesetzt und den Inhalt seiner Tasche auf die
Pflugschar ausgelegt.)

Sie hat mein Roß, das etwa so viel gilt
Als diese goldnen Spangen die ich trage,
Und so sind sie mein Eigentum zu Recht.

Ich wollte, sie bestieg' einmal den Zelter
Und in Gedanken ihm die Zügel lassend,
Trüg' sie das Tier hieher.
Doch welch Geräusch?
Täuscht mich mein Aug? Das ist mein Roß; doch leer
Und ohne Reiter, rings von Volk umgeben.
Bin ich im Land der Märchen und der Wunder?
Doch folgen die Wladiken, seh ich nun,
Die sich erdachten etwa solchen Fund
Um zu ergänzen was nur halb in ihrer
Und halb in meiner Hand. Kommt immer, kommt!
Ich fühle mich als Herr in meinem Haus,
Und so brech ich mein Brot. Ist doch der Pflüger,
Indem er alle nährt, den Höchsten gleich:
Wie Wasser und wie Luft, die niemand kauft,
Doch mit dem Leben zahlt, entbehrt er ihrer.

(Die drei Wladiken kommen, von Volk begleitet, von der linken Seite.)

Biwoy. Hier blieb der Zelter stehn, hier ist der Ort.