Verwandlung
Der Thronsaal wie im dritten Aufzuge, im Mittelgrunde durch einen Vorhang abgeschlossen. Es ist dunkel.
Primislaus' Stimme (hinter dem Vorhange).
Beschützen mich die Götter! Fort die Hände!
(Er kommt hinter dem Vorhange hervor, gefolgt von mehreren schwarz gerüsteten Männern.)
Primislaus. Laßt ab!—Der Boden schwankt, die Sinne schwindeln.
Aus steiler Höhe rasch herabgeglitten,
Schlägt noch die Erde Wellen unter mir
Und die Bewegung setzt sich fort ins Innre.
Ich könnte sagen, tun, was fremd mir selbst.
Nun ist es wieder gut. Nun kommt nur an!
Was wollt ihr und was fordert man von mir?
Ihr schweigt? Sind eure blanken Schwerter Worte?
Und heischt mein Leben eure milde Frau?
O Güte, Güte, himmelsgleiche Güte
Wie preist dich hochentzückt ein ganzes Land!
Ich aber nenn es Willkür, Weiberlaune,
Die nur geleitet durch ein blind Gefühl
Hier ausgießt ihres Füllhorns Überfluß
Weil der Empfänger nah, weil er genehm,
Weil ihm ein dunkles Etwas Gunst verleiht,
Dort wieder nimmt, weil doch parteiisch Geben
Ein Geben und ein Nehmen ist zugleich.
Es ist die Welt kein traumgeschaffner Garten
Wo Duft und Farbenglanz den Platz bestimmt,
Die Rose Königin und Raute, Lattich
Das Unkraut, das man austilgt mit dem Fuß.
Ein Ungefähr verlieh mir Wert und Huld,
Doch beides nimmt ein launisch Zürnen wieder.
Und wenn Freigebigkeit aus Himmelshöhn
Hernieder stiege zu der armen Erde,
Sie müßte stehen menschlichem Ermessen
Und Antwort geben, wenn gefragt: warum?
Ich will gewogen sein mit gleicher Waage,
Wie hoch mein Anspruch und wie tief mein Fehl.
Der Willkür fügt kein Freier sich, kein Mann.
Ich sehe Ketten dort in euern Händen
Hier sind die meinen, legt mir Fesseln an!
In Turmesnacht, von Lebenden geschieden
Will ich das Loblied singen eurer Frau,
Mich selber richten, daß ich ihr vertraut.
Dir scheinen Ketten zu gelinde Strafe,
Ich seh's, du zückst das Schwert auf meine Brust.
Wohl weiß ich was ihr wollt, was ihr begehrt;
Ich aber sagte: nein, und sag es noch.
War's auch ein Spiel nur, ein verwegner Scherz,
Den Übermut zu bändigen durch List,
Den Anspruch mir zu wahren, der mein Recht,
Auf eurer Fürstin Dank und Anerkennung.
Hab ich's verweigert, so verweigr' ich's noch,
Mein Leben setz ich ein für meinen Willen.
Stoß, Mörder, zu! ich bin in eurer Macht,
Der Götter Schutz vertrau ich meine Seele.
(Er sinkt auf ein Knie und verhüllt die Augen mit der Hand.—Libussa ist von der linken Seite eingetreten. Auf ihren Wink haben sich die Gewaffneten hinter den Vorhang zurückgezogen. Sie klatscht in die Hände und von den Seitenwänden schieben sich Armleuchter mit brennenden Kerzen vor. Es ist licht.—Primislaus emporblickend.)