König.
Suchst du die Schuld'gen, suche sie nicht hier,
In seinem Haus, bei seinen Kindern such sie!

Herold.
Ich fand sie hier und so sprech ich sie an:
Fluch Jason dir! Fluch dir und deinem Weib!
Verruchter Künste bist du angeklagt,
Der Schuld an deines Oheims dunkeln Tod.

Jason.
Du lügst, nicht weiß ich um des Königs Sterben.

Herold.
Frag diese dort, die weiß es besser wohl.

Jason.
Tat sie's?

Herold.
Nicht mit der Hand, durch Künste, die ihr kennt,
Die ihr herüberbrachtet aus dem fremden Lande.
Denn als der König krank—vielleicht schon da ein Opfer,
So seltsam waren seiner Krankheit Zeichen—
Da traten seine Töchter zu Medeen hin,
Um Heilung flehend von der Heilerfahrnen.
Sie aber sagt' es zu und ging mit ihnen.

Jason.
Halt! sie ging nicht! Ich wehrt' es, und sie blieb.

Herold.
Das erstemal. Doch als die Mädchen drauf,
Dir unbewußt, zum zweitenmal ihr nahten,
Da ging sie mit, allein das goldne Vlies,
Das ihr ein Greu'l sei, ein verderblich Zeichen,
Als Preis der sichern Rettung sich bedingend.
Die Mädchen aber sagen's ihr voll Freude zu.
Und sie tritt ein beim König, wo er schlief.
Geheimnisvolle Worte sprach sie aus
Und immer tiefer sinkt der König in den Schlaf.
Das böse Blut zu bannen, heißt dem Herrn sie
Die Adern öffnen und auch das geschieht;
Er atmet leichter als man ihn verband
Und froh sind schon die Töchter der Genesung.
Da ging Medea fort, von dannen wie sie sagte,
Und auch die Töchter gehn, da jener schlief.
Mit eins ertönt Geschrei aus seiner Kammer,
Die Mädchen eilen hin und—gräßlich! greulich!
Der Alte lag am Boden, wild verzerrt,
Gesprungen die Verbande seiner Adern,
In schwarzen Güssen strömend hin sein Blut.
Am Altar lag er, wo das Vlies gehangen,
Und das war fort. Die aber ward gesehen,
Den goldnen Schmuck um ihre Schultern tragend,
Zur selben Stunde schreitend durch die Nacht.

Medea (dumpf vor sich hin).
Es war mein Lohn.
Mich schaudert, denk ich an des alten Mannes Wut!

Herold.
Damit nun solcher Greu'l nicht länger währe
Und unser Land mit seinem Hauch vergifte,
So sprech ich aus hiemit den großen Bann
Ob Jason dem Thessalier, Aesons Sohn,
Genoß einer Verruchten, selbst verrucht
Und treib ihn aus, kraft meines heil'gen Amts,
Aus, von der Griechen gottbetretnen Erde,
Und weis ihn in das Irrsal, in die Flucht,
Mit ihm sein Weib und seines Bettes Sprossen.
Kein Teil sei ihm am vaterländ'schen Boden,
An vaterländ'schen Göttern ihm kein Teil,
Kein Teil an Schutz und Recht des Griechenlandes.