Gora.
Dich selber trifft deine Rache, nicht ihn.
Medea.
Ich wollt' er liebte mich,
Daß ich mich töten könnte, ihm zur Qual!—
Oder (sie?) Die Falsche! Die Reine!
Gora.
Näher triffst du schon!
Medea.
Still! still!
Hinab, wo du herkamst, Gedanke,
Hinab in Schweigen, hinunter in Nacht!
(Sie verhüllt sich.)
Gora.
Die andern alle, die mit ihm zogen
Den frevelnden Argonautenzug,
Alle haben sie, rächend, strafend,
Die vergeltenden Götter erreicht,
Alle fielen in Tod und Schmach;
Er nur fehlt noch—und wie lang?
Täglich hör ich, emsig horchend
Hoch mich erlabend, wie sie fallen,
Fallen der Griechen strahlende Söhne,
Die aus Kolchis, vom Raube gekehrt.
Den Orpheus erschlugen thrakische Weiber;
Hylas versank im Wellengrab;
Theseus, Pirithous stiegen hinab
In des Aides finstere Wohnung,
Der Schatten gewaltigem Herrn zu rauben
Die strahlende Gattin, Persephoneia,
Doch der fing sie und hält sie gefangen
In ehernen Ketten, in ewiger Nacht.
Medea (rasch den Mantel vom Gesicht ziehend).
Weil sie kamen das Weib zu rauben?
Gut! Gut!—So tat auch er, tat mehr noch!
Gora.
Dem Herakles, der sein Weib verließ,
Von anderer Liebe gelockt,
Sandte sie rächend ein leinen Gewand;
Als er das antat, sank er dahin
In Qual und Angst und Todesschmerz,
Denn sie hatt' es heimlich bestrichen
Mit argem Gift und schnellem Tod.
Hin sank er und des Öta waldiger Rücken,
Sah ihn vergehn, in Flammen vergehn.
Medea.
Und sie selbst webt' es, das Gewand?
Das tödliche?
Gora.
Sie selbst!