Medea.
Indem du Frevel strafst verübst du sie.

Jason.
Sie soll nicht sagen, daß ich allzuhart,
Drum hab ich eins der Kinder ihr gewährt,
In Leid und Not der Mutter lieber Trost.

(Kreusa kommt mit den Kindern.)

Kreusa.
Die Kinder fordert man, ward mir gesagt
Was will man denn, und was soll denn geschehn?
O sieh, sie lieben mich, nur erst gekommen,
Als ob wir jahrelang uns sähn und kennten.
Mein mildes Wort, den Armen ungewohnt,
Gewann mir sie, wie mich ihr Unglück ihnen.

König.
Der Kinder eines soll der Mutter folgen.

Kreusa.
Verlassen uns?

König.
So ist's, so will's der Vater!

(Zu Medeen, die in sich versunken dagestanden ist.)

Die Kinder, sie sind hier, nun laß sie wählen!

Medea.
Die Kinder! Meine Kinder! Ja, sie sind's!
Das einz'ge was mir bleibt auf dieser Erde.
Ihr Götter, was ich schlimmes erst gedacht,
Vergeßt es und laßt sie mir beide, beide!
Dann will ich gehn und eure Güte preisen,
Verzeihen ihm und—nein (ihr) nicht!—(Ihm) auch nicht!
Hierher ihr Kinder, hier!—Was steht ihr dort
Geschmiegt an meiner Feindin falsche Brust?
O wüßtet ihr was sie mir angetan,
Bewaffnen würdet ihr die kleinen Hände,
Zu Krallen krümmen eure schwachen Finger,
Den Leib zerfleischen, den ihr jetzt berührt.
Verlockst du meine Kinder? Laß sie los!