Medea.
Zweifelst an der Tat?
Sieh! bei den hohen Göttern! hätt' er
Die Kinder (beide) mir gegeben—Nein!
Könnt' ich sie (nehmen), gäb' er sie mir auch,
Könnt' ich sie lieben wie ich jetzt sie hasse,
Wär' etwas in der weiten Welt geblieben,
Das er mir nicht vergiftet, nicht zerstört:
Vielleicht, daß ich jetzt ginge, meine Rache
Den Göttern lassend; aber so nicht, nun nicht!
Man hat mich bös genannt, ich war es nicht:
Allein ich fühle, daß man's werden kann.
Entsetzliches gestaltet sich in mir,
Ich schaudre—doch ich freu mich auch darob.
Wenn's nun vollendet ist, getan—

(ängstlich)

Gora!

Gora.
Was ist?

Medea.
Komm her!

Gora.
Warum?

Medea.
Zu mir!
Da lagen sie die beiden—und die Braut—
Blutend, tot.—Er daneben rauft sein Haar.
Entsetzlich, gräßlich!

Gora.
Um der Götter willen!

Medea.
Ha, ha! Erschrickst wohl gar?
Nur lose Worte sind es, die ich gebe,
Dem alten Wollen fehlt die alte Kraft.
Ja, wär' ich noch Medea, doch ich bin's nicht mehr!
O Jason! Warum tatest du mir das?
Ich nahm dich auf, ich schützte, liebte dich,
Was ich besaß, ich gab es für dich hin,
Warum verlässest und verstößt du mich?
Was treibst du mir die guten Geister aus
Und führest Rachgedanken in mein Herz?
Mir Rachgedanken, ohne Kraft zur Rache!
Die Macht, die mir von meiner Mutter ward,
Der ernsten Kolcherfürstin Hekate,
Die mir zum Dienste dunkle Götter band,
Versenkt hab ich sie, dir zulieb' versenkt,
Im finstern Schoß der mütterlichen Erde.
Der schwarze Stab, der blutigrote Schleier,
Sie sind dahin und hilflos steh ich da,
Den Feinden, statt ein Schrecken, ein Gespött!

Gora.
So sprich davon nicht, wenn du's nicht vermagst!