Melitta.
So ging alles schön und gut.
Doch einst erwacht' ich nachts. Ein wild Geschrei
Drang laut von allen Seiten in mein Ohr.
Die Wärtrin naht, man rafft mich auf
Und trägt mich in die wilde Nacht hinaus.
Da sah ich ringsherum die Hütten flammen
Und Männer fechten, Männer fliehn und fallen.
Jetzt naht ein Wütrich, streckt die Hand nach mir,
Nun war Geheul, Gejammer, Schlachtgeschrei;
Ich fand mich erst auf einem Schiffe wieder,
Das pfeilschnell durch die dunkeln Wogen glitt.
Noch andre Mädchen, Kinder sah ich weinen,
Doch immer kleiner ward der Armen Zahl
Je weiter wir uns von der Heimat trennten,
Gar viele Tag' und Nächte fuhren wir,
Ja Monden wohl, zuletzt war ich allein
Von all den Armen bei den wilden Männern.
Da endlich trat uns Lesbos' Strand entgegen,
Man schifft mich aus ans Land. Da sah mich Sappho,
Da bot sie Geld, und ihre ward Melitta.

Phaon.
War denn dein Los so schwer in Sapphos Händen?

Melitta.
O nein. Sie nahm mich gütig, freundlich auf;
Sie trocknete die Tränen mir vom Aug
Und pflegte mein und lehrte mich voll Liebe,
Denn wenn auch heftig manchmal, rasch und bitter,
Doch gut ist Sappho, wahrlich lieb und gut.

Phaon.
Und doch kannst du die Heimat nicht vergessen.

Melitta.
Ach, ich vergaß sie leider nur zu bald,
In Tanz und Spiel und bei des Hauses Pflichten
Dacht' ich gar selten der verlaßnen Lieben.
Nur manchmal wenn mich Schmerz und Kummer drückt,
Dann schleicht die Sehnsucht mir ins bange Herz
Und die Erinnerung mit schmerzlich süßer Hand
Enthüllt die goldumflorte, lichte Ferne.
Und so auch heut! Mir war so schwer und ängstlich,
Ein jedes leisgesprochne Wort fiel schmerzend
Hernieder wie auf fleischentblößte Fibern,
Da—Doch jetzt ist es gut und ich bin froh.

Man ruft drinnen.
Melitta!

Phaon.
Horch, man ruft!

Melitta.
Man ruft?—Ich gehe.

(sie liest den angefangenen Kranz und die Blumen auf.)

Phaon.
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