Melitta.
Und erst nur riefst du uns!
Rhamnes.
Ich rief euch, ja!
Ihr solltet wissen, daß die Herrin naht,
Ihr solltet wissen, daß euch Freude Pflicht,
Doch freuen mögt ihr euch nur drin im Haus.
Der Mann mag das Geliebte laut begrüßen,
Geschäftig für sein Wohl liebt still das Weib.
Melitta.
So laß uns nur—
Rhamnes.
Nicht doch! Nur fort, nur fort!
(Er treibt die Mädchen fort.)
Nun mag sie kommen, nun wird Albernheit
Ihr vorlaut nicht die schöne Feier stören.
Zweiter Auftritt
Sappho, köstlich gekleidet, auf einem mit weißen Pferden bespannten
Wagen, eine goldne Leier in der Hand, auf dem Haupte den Siegeskranz.
Ihr zur Seite steht Phaon in einfacher Kleidung. Volk umgibt laut
jubelnd den Zug.
Volk (auftretend).
Heil Sappho, Heil!
Rhamnes (sich unter sie mischend).
Heil Sappho, teure Frau!
Sappho.
Dank Freunde, Landsgenossen Dank.
Um euretwillen freut mich dieser Kranz
Der nur den Bürger ziert, den Dichter drückt,
In eurer Mitte nenn ich ihn erst mein.
Hier, wo der Jugend träumende Entwürfe,
Wo des Beginnens schwankendes Bestreben,
Wo des Vollbringens wahnsinnglühnde Lust
Mit eins vor meine trunkne Seele treten,
Hier, wo Zypressen von der Eltern Grab
Mir leisen Geistergruß herüberlispeln,
Hier, wo so mancher Frühverblichne ruht
Der meines Strebens, meines Wirkens sich erfreut,
In eurem Kreis, in meiner Lieben Mitte,
Hier dünkt mir dieser Kranz erst kein Verbrechen,
Hier wird die frevle Zier mir erst zum Schmuck.
Einer aus dem Volke.
Wohl uns, daß wir dich, Hohe, unser nennen!
Habt die bescheidne Rede ihr vernommen,
Mehr als ganz Griechenland hat sie ihr Wort geschmückt!