Fünfter Auftritt
Phaon. Vorige.
Phaon.
Das ist Melittens Stimme! Ha Verwegner,
Wagst du's die Hand zu heben gegen sie?
Rhamnes (läßt Melitten los).
Phaon.
So täuschte mich doch meine Ahnung nicht
Als ich dich sah mit leisespähnden Blicken,
Dem Wolfe gleich, in ihre Nähe schleichen.
Doch hast du dich verrechnet grimmer Wolf,
Es wacht der Hirt und dir naht das Verderben!
Rhamnes.
Herr, der Gebietrin Auftrag nur befolg ich.
Phaon.
Wie, Sapphos Auftrag? Sie befahl es dir?
O Sappho, Sappho! Ich erkenne dich!
Doch leider nur zu spät! Warum zu spät?
Noch ist es Zeit, die Bande abzuschütteln
Von mir und ihr; beim Himmel, und ich will's!
Du allzufert'ger Diener fremder Bosheit—
Warum—? Melitta, du siehst bleich, du zitterst?
Melitta.
Oh, mir ist wohl!
Phaon.
Dank du den Göttern, Sklave,
Daß ihr kein Steinchen nur den Fuß geritzt,
Beim Himmel! jede Träne solltest du
Mit einem Todesseufzer mir bezahlen!—
Du scheinst ermattet! lehne dich auf mich,
Du findest nirgends eine festre Stütze!
Blick her Verruchter, dieses holde Wesen,
Dies Himmelsabbild wolltest du verletzen!
Rhamnes.
Verletzen nicht!