Phaon.
So sprichst du, Alter, und errötest nicht?
Wer ist denn Sappho, daß du ihre Zunge
Für jene achtest an des Rechtes Waage?
Ist sie Gebietrin hier im Land?
Landmann.
Sie ist es,
Doch nicht weil sie gebeut, weil wir ihr dienen!
Phaon.
So hat sie denn euch alle auch umsponnen,
Ich will doch sehn, wie weit ihr Zauber reicht!
(Gegen das Haus zugehend.)
Zu ihr!
Landmann.
Zurück!
Phaon.
Vergebens dräuet ihr!
Ich muß sie sehen! Sappho, zeige dich!
Wo bist du? oder zitterst du vor mir?—
Ha, dort am Altar ihrer Diener Reihen,
Sie ist es, du entgehst mir nicht!—Zu mir!
(Durchbricht die Menge. Auch der Kreis der Sklavinnen öffnet sich.
Sappho liegt hingegossen an den Stufen des Altars.)
Landmann.
Du wagst es, unbesonnen frecher Knabe?
Phaon.
Was willst du an den Stufen hier der Götter?
Sie hören nicht der Bosheit Flehn.—Steh auf!
(Er faßt sie an. Bei seiner Berührung fährt Sappho empor, und eilt mit fliegenden Schritten, ohne ihn anzusehen, dem Vorgrunde zu.)
Phaon (ihr folgend).
Entweichst du mir? du mußt mir Rede stehn!
Ha, bebe nur! Es ist jetzt Zeit zu beben!
Weißt du was du getan? Mit welchem Recht
Wagst du es mich, mich einen freien Mann,
Der niemand eignet als sich selber, hier
In frevelhaften Banden festzuhalten?
Hier diese da in ungewohnten Waffen,
Hast du sie ausgesandt? Hast du sie? Sprich!—
So stumm? der Dichtrin süße Lippe stumm?