Melitta.
Was willst du von der Sklavin, Herr?
Laß einer Sklavin Brust sie suchen und—
(Tränen ersticken ihre Stimme.)
Nehmt mich hinauf zu euch, zu euch, ihr Götter!

Phaon (sie anfassend).
Du bist bewegt, du zitterst, fasse dich!
Es binden Sklavenfesseln nur die Hände,
Der Sinn, er macht den Freien und den Knecht.
Sei ruhig, Sappho ist ja gut und milde,
Ein Wort von mir, und ohne Lösegeld
Gibt sie den Deinen dich, dem Vater wieder.

Melitta (schüttelt schweigend das Haupt).

Phaon.
Glaub mir, sie wird's gewiß! Wie, oder ist
Die heiße Sehnsucht nach dem Vaterlande,
Die erst dich so ergriff, so schnell verschwunden?

Melitta.
Ach sag mir erst, wo ist mein Vaterland?

Phaon.
Du kennst es nicht?

Melitta.
In zarter Kindheit schon
Ward ich entrissen seiner treuen Hut,
Nur seine Blumen, seine Täler hat
Behalten das Gedächtnis, nicht den Namen.
Nur, glaub ich, lag es wo die Sonne herkommt,
Denn dort war alles gar so licht und hell.

Phaon.
So ist es weit von hier?

Melitta.
O weit, sehr weit!
Von andern Bäumen war ich dort umgeben
Und andre Blumen dufteten umher,
In blauern Lüften glänzten schönre Sterne
Und freundlich-gute Menschen wohnten dort.
In vieler Kinder Mitte lebt' ich da,
Ach, und ein Greis, mit weißen Silberlocken,
Ich nannte Vater ihn, liebkoste mir,
Dann noch ein andrer Mann, so schön und hold
Mit braunem Haar und Aug', fast so wie—du—

Phaon.
Du schweigst? Der Mann?