Zweiter Aufzug

Innerer Hof in Kattwalds Hause. Die rechte Seite schließt eine Lehmwand mit einem großen Tor. Links im Mittelgrunde eine Art Laube von Brettern, als Vorküche, deren Fortsetzung durch die Kulisse verdeckt ist. Im Hintergrunde, bis in die Mitte der Bühne hineinreichend, von einem Graben umgeben, die große Halle des Hauses, deren Fenster nach vorn gehen. Die Verbindung wird durch eine hölzerne Brücke hergestellt, die von der seitwärts angebrachten Tür der Halle an, parallel mit der Bühne laufend, durch eine Seitenabdachung sich nach vorn wendet.

Der Pilger und Leon kommen.

Pilger.
Nun seht denn, mein Versprechen ist erfüllt.
Wir sind im Hause Kattwalds, Graf im Rheingau.
Die Wand hier schließt sein inneres Gehöft,
Und jene Halle herbergt seine Gäste.
Geladne Gäste nämlich, denn, mein Freund,
Mit ungeladnen fährt er nicht gar sanft.
Ich sag Euch das voraus, daß Ihr Euch vorseht.

Leon.
Ich werde wohl. Habt Dank!
So hieß es: Kattwald,
Der Graf im Rheingau, da liegt er gefangen.

Pilger.
Ihr wart so munter auf der ganzen Reise,
Nun seid Ihr ernst.

Leon.
Man wird's wohl ab und zu!
Doch mahnt Ihr recht. Nur froher Mut vollbringt.
Leon, sei erst Leon. Und eins bedenke:
Weh dem, der lügt!—So mindstens will's der Herr.
(Achselzuckend.)
Man wird ja sehn.—Nun, Freund, zwei Worte noch!

Pilger.
Ein Wort auch noch zu Euch, so schwer mir's fällt.
Ich hab Euch her in dieses Haus geleitet,
Wich drum von meiner Straße weithin ab
Und muß zurück nun manche lange Meile.
Die Reisezehrung ist zu Ende.

Leon.
Recht!
Gerade davon wollt' ich sprechen.

Pilger.
Auch
Habt Ihr wohl selbst, da wir die Fahrt begannen,
Mir zugesichert—