Hausverwalter.
Des wagst du ihn zu zeihn, den frommen Mann?
Weißt du denn nicht, daß Arme, Blinde, Lahme
Der Säckel sind, dem er sein Geld vertraut?

Leon.
Wohl gibt er viel, und segn' ihn Gott dafür!
Doch heißt das Gutes tun, wenn man dem Armen
Die Spende gibt, dem Geber aber nimmt?
Dann seht! Er ließ mich neulich rufen
Und gab mir Geld aus einer großen Truhe
—Die Küchenrechnung nämlich für die Woche—,
Doch eh er's gab, nahm er 'nen Silberling
Und sah ihn zehnmal an und küßt' ihn endlich
Und steckt' ihn in ein Säckel, das gar groß
Und straff gefüllt im Winkel stand der Truhe.
Nun frag ich Euch: ein frommer Mann
Und küßt das Geld. Ein Mann, der Hunger leidet
Und Spargut häuft im Säckel, straff gefüllt.
Wie nennt Ihr das? Wie nennt Ihr so 'nen Mann?
Ich will sein Koch nicht sein. Ich geh und sag ihm's.

Hausverwalter.
Du töricht toller Bursch, willst du wohl bleiben?
Störst du den guten Herrn, und eben heut,
Wo er betrübt im Innern seiner Seele,
Weil Jahrstag grade, daß sein frommer Neffe,
Sein Atalus, nach Trier ward gesandt,
Als Geisel für den Frieden, den man schloß;
Allwo er jetzt, da neu entbrannt der Krieg,
Gar hart gehalten wird vom grimmen Feind,
Der jede Lösung unerbittlich weigert.

Leon.
Des Herren Neffe?

Hausverwalter.
Wohl, seit Jahresfrist.

Leon.
Und hat man nichts versucht, ihn zu befrein?

Hausverwalter.
Gar mancherlei; doch alles ist umsonst.
Dort kommt der Herr, versunken in Betrachtung.
Geh aus dem Wege, Bursch, und stör ihn nicht.

Leon.
Er schreibt.

Hausverwalter.
Wohl an der Predigt für den Festtag.

Leon.
Wie bleich!