Leon (öffnet die Tür der Scheune und tritt, jene hinter sich zuziehend
heraus).
Die Sonne zögert noch, 's ist dunkle Nacht,
Und dunkel wie das All ist meine Brust.
(Zurückblickend.)
Da liegen sie und schlafen wie die Kinder,
Ich aber, wie die Mutter, bin besorgt.
O daß ein Teil doch jenes stillen Glücks,
Der Freudigkeit am Werk mir wär' beschieden.
(Nach vorn kommend.)
So weit gelang's. Der Strom ist überschritten,
Wir sind im Jenseits, das so fern uns schien.
Zwar wohnen Feind' auch hier, doch weiß ich nicht,
Die Gegend, sonst belebt und menschenvoll,
Ist öd und leer, und der Begegner flieht.
Zwar sichert das vor allem unsern Weg,
Doch fehlt auch, der den Weg uns deutend künde.
Die Stadt hier deucht mich Metz, der Feinde Burg,
Wo sie die Wache halten übers Land.
Ist die im Rücken, nähert sich die Heimat.
Ich wünschte Flügel unserm Zauderschritt,
Doch wag ich's nicht, das Schläferpaar zu wecken,
Sie sind ermüdet bis zum bleichen Tod.
Trag du allein, Leon, trag du für alle.
Und wenn wir nun vor meinem Herren stehn!
Wie tritt mit eins sein ehrfurchtheischend Bild
Durch Nacht und Dunkel vor mein irres Auge!
Sein letztes Wort war Mahnung gegen Trug,
Und nun, wie bunt, was alles wir vollführt.
Die Tochter aus dem Vaterhaus geraubt.
Geraubt! Gestattet mindstens, daß sie folge.
Wie werd ich stehn vor meines Herren Blick?
Und dann, was wird aus ihr, die uns gefolgt
In kinderhaft unschuldigem Beginnen,
Vertrauen schöpfend aus dem Gaukelspiel,
Des Zweck war, zu entfernen das Vertrauen?
Ich kann nicht glauben, daß sie jenen liebt,
Den Jüngling Atalus, ist gleich sein Wesen
Verändert und gebessert seit der Zeit,
Als er hinweg schied aus der wilden Fremde.
Erst schien sie mir mit Neigung zugetan,
Doch trieb mein Weigern, achtlos ernstes Mahnen
Von mir sie fort zu ihm.—Sie liebt ihn nicht,
Und doch geht jedes Wort, das sie ihm gönnt,
Wie Neid und Haß durch meine trübe Seele.
Nur in der Nachtruh' erst, da fiel ihr Haupt
Im Schlaf herabgesenkt an meine Brust,
Ein stärkrer Atemzug klang wie ein Seufzer,
So warm das Haupt, so süß des Atems Wehn,
Mir drang es fröstelnd bis ins tiefste Mark:
Vielleicht denkt sie an ihn.—Da stand ich auf,
Gab einem andern Kissen ihre Schläfe
Und ging heraus und plaudre mit der Nacht.
Der Osten graut, der Tag, scheint's, will erwachen.
Vielleicht erkenn ich nun des Weges Spur,
Vielleicht, daß in der sonderbaren Öde
Ein Wanderer—Horch, war das nicht ein Schritt?
Was soll die Vorsicht da, wo Vorsicht hemmt?
(An der linken Seite leise rufend.)
Ist hier ein Mann? Geht jemand diese Wege?
Nun wieder still.—Doch nein. Wer geht? Gebt Antwort!
Knecht Kattwalds (der hinter ihm auftritt und ihn rückwärts faßt).
Die Antwort hier!