»Vorläufig genügt mir dieser eine Neffe,« sagte der Onkel lachend. »Und nun nehmen Sie meinen besten Dank für Ihre Liebenswürdigkeit und leben Sie wohl. Es wäre übrigens gar nicht so unmöglich, daß wir« – er drückte Karl herzlich an sich – »bei unserer nächsten Europareise vielleicht für längere Zeit mit Ihnen zusammenkommen könnten.«

»Es würde mich herzlich freuen,« sagte der Kapitän. Die beiden Herren schüttelten einander die Hände, Karl konnte nur noch stumm und flüchtig seine Hand dem Kapitän reichen, denn dieser war bereits von den vielleicht fünfzehn Leuten in Anspruch genommen, welche unter Führung Schubals zwar etwas betroffen, aber doch sehr laut einzogen. Der Matrose bat den Senator, vorausgehen zu dürfen und teilte dann die Menge für ihn und Karl, die leicht zwischen den sich verbeugenden Leuten durchkamen. Es schien, daß diese im übrigen gutmütigen Leute den Streit Schubals mit dem Heizer als einen Spaß auffaßten, dessen Lächerlichkeit nicht einmal vor dem Kapitän aufhöre. Karl bemerkte unter ihnen auch das Küchenmädchen Line, welche, ihm lustig zuzwinkernd, die vom Matrosen hingeworfene Schürze umband, denn es war die ihrige.

Weiter dem Matrosen folgend verließen sie das Bureau und bogen in einen kleinen Gang ein, der sie nach ein paar Schritten zu einem Türchen brachte, von dem aus eine kurze Treppe in das Boot hinabführte, welches für sie vorbereitet war. Die Matrosen im Boot, in das ihr Führer gleich mit einem einzigen Satz hinuntersprang, erhoben sich und salutierten. Der Senator gab Karl gerade eine Ermahnung zu vorsichtigem Hinuntersteigen, als Karl noch auf der obersten Stufe in heftiges Weinen ausbrach. Der Senator legte die rechte Hand unter Karls Kinn, hielt ihn fest an sich gepreßt und streichelte ihn mit der linken Hand. So gingen sie langsam Stufe für Stufe hinab und traten engverbunden ins Boot, wo der Senator für Karl gerade sich gegenüber einen guten Platz aussuchte. Auf ein Zeichen des Senators stießen die Matrosen vom Schiffe ab und waren gleich in voller Arbeit. Kaum waren sie ein paar Meter vom Schiff entfernt, machte Karl die unerwartete Entdeckung, daß sie sich gerade auf jener Seite des Schiffes befanden, wohin die Fenster der Hauptkassa gingen. Alle drei Fenster waren mit Zeugen Schubals besetzt, welche freundschaftlichst grüßten und winkten, sogar der Onkel dankte, und ein Matrose machte das Kunststück, ohne eigentlich das gleichmäßige Rudern zu unterbrechen, eine Kußhand hinaufzuschicken. Es war wirklich, als gebe es keinen Heizer mehr. Karl faßte den Onkel, mit dessen Knien sich die seinen fast berührten, genauer ins Auge, und es kamen ihm Zweifel, ob dieser Mann ihm jemals den Heizer werde ersetzen können. Auch wich der Onkel seinem Blicke aus und sah auf die Wellen hin, von denen ihr Boot umschwankt wurde.

Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf Grundlage der Erstausgabe erstellt.

Nach dem Korrekturlesen auf PGDP wurde der Text mit der eigens für diesen Zweck eingescannten Fassung aus »Franz Kafka: Die Erzählungen – Originalfassung, Fischer Taschenbuchverlag, 8. Auflage: August 2003« verglichen. Jene Fassung basiert auf der Kritischen Kafka-Ausgabe. Entsprechend dieser Textvergleiche wurden folgende Korrekturen vorgenommen:

p 05: sechszehnjährige -> sechzehnjährige
p 08: »Ja, warum haben sie -> Sie
p 21: Kofferchen -> Köfferchen
p 34: beseitegeschafft -> beiseitegeschafft
p 42: in Verzweiflung kommen wie -> kommen, wie

Transcriber’s Note: This ebook has been prepared from scans of a first edition copy.

After proofreading on PGDP had been completed, the text was compared with another version scanned from a recent printing of »Franz Kafka: Die Erzählungen – Originalfassung, Fischer Taschenbuchverlag, 8. Auflage: August 2003«; which follows the critical edition of Kafka’s works. While I kept most of the peculiarities of the first edition, I corrected the following list of words and punctuation which I believe to be misprints:

p 05: sechszehnjährige -> sechzehnjährige
p 08: »Ja, warum haben sie -> Sie
p 21: Kofferchen -> Köfferchen
p 34: beseitegeschafft -> beiseitegeschafft
p 42: in Verzweiflung kommen wie -> kommen, wie