In der Lüneburger Heide hatten die Bauern ehemals in der Kinderstube den »Sägemann«. Es ist eine vom Dorfschmied aus Eisenblech hergestellte Figur, die man ([Seite 66]) mit zwei scharfen Spitzen neben die Wiege des Kindes auf die Kante einer Truhe oder eines Stuhles setzte. Der blecherne Mann hält eine gewaltige Säge, an der unten ein Stück Blei befestigt ist. Stößt man die Säge an, dann schwingt der Sägemann lange Zeit, das Kind sieht ihm aufmerksam zu und vergißt das Weinen[97].
Es fällt durch der Sägen und Aexte Gewalt,
Der frische, fröhliche freie Wald;
Was Wunder, wenn endlich der Baum sich rächt
Und seinen Mörder in Stücken sägt.
Verkehrt ist die Welt!
Daß das Schleifen der Sägezähne einen üblen Ton gibt, illustriert ein englisches Spottbild aus dem Jahr 1864 ([Seite 67]). Der Meister, der die Säge kreischend schleift, sieht neidisch zu dem singenden Pfau empor, dessen Töne die Schönheit des Sägetons fast zu übertreffen vermögen[98].
Zum Schlußbild auf [Seite 68] ist nichts zu sagen; es ist eine der trefflichen Karikaturen, die selbst deutlich genug reden[99].
LITERATUR-NACHWEIS
[1] Museum für Völkerkunde Berlin, Prähistorische Abteilung II, 3948.
[2] R. Forrer, Reallexikon der prähistorischen Altertümer, Berlin 1907, S. 669.