Im Altertum bestieg man das Pferd entweder mit einem Sprung, oder mit Hülfe eines an den Heerstraßen in gewissen Abständen aufgestellten großen Steines. Die Soldaten hatten an den Schäften ihrer Lanzen eine starke Lederschleife, in die sie mit dem einen Fuß hineinstiegen, um sich bequemer auf das Pferd schwingen zu können. Erst im 6. Jahrhundert kommt vereinzelt der Steigbügel vor. Es war aber stets an jedem Pferd zunächst nur ein Bügel angebracht, da man ihn nur zum Aufsteigen, nicht zum Festhalten beim Reiten gebrauchte.

Erst unter Kaiser Otto I., im 10. Jahrhundert, wurde die Benutzung von zwei Steigbügeln allgemein gebräuchlich.

Sporen finden sich bei den Einwohnern von Mitteleuropa schon im 3. Jahrhundert v. Chr. und zwar bestehen sie aus einem kurzen eisernen Bügel, an dessen Mitte eine kleine Spitze sitzt. Man befestigt den Bügel mittels Riemen am Fuß. Die Römer aber kannten bereits die Rädchensporen. Sie bogen jedoch den Rädchenhalter so stark nach auswärts, daß man auch bei einer schrägen Haltung des Fußes das Pferd nicht zufällig mit dem Rädchen treffen konnte.


137.
Von nie gewesenen Pulvermühlen.

Man liest allgemein im Jahre 1340 habe Augsburg, 1344 Spandau und 1348 Liegnitz je eine Pulvermühle besessen. Schon nach Lage des damaligen Büchsenmeister- und Feuerwerksberufs erschienen mir diese Angaben als unwahrscheinlich. Was hätte man mit dem Quantum Schießpulver anfangen wollen, das eine Mühle täglich zu produzieren imstande ist? Sicherlich hat im 14. Jahrhundert der Handmörser in den meisten Fällen genügt, um das von Fall zu Fall notwendige Schießpulver zu bereiten. Ich wandte mich jedoch auch an die drei genannten Städte und erfuhr von dort, daß nichts von Pulvermühlen in so früher Zeit bekannt sei.

Das Stadtarchiv in Augsburg schrieb: Es ist mir keine urkundliche Nachricht bekannt, die auf ihre Anfrage Auskunft gäbe.

Spandau besitzt eine große handschriftliche Chronik von D. F. Schulze, die von Oberpfarrer Recke neu bearbeitet wurde. Letzterer teilte mir mit, daß irgend eine Angabe über Schießpulver oder Geschütze so früh in der Chronik nicht enthalten sei. Die gedruckte Geschichte der Stadt von Kuntzemüller sagt, daß die erste Pulvermühle dort 1578 angelegt sei.

Über die angebliche Pulvermühle in Liegnitz stellte das dortige Rathäusliche Archiv auf meine Bitte eingehende Nachforschungen an. Zunächst wurde festgestellt, daß in den Urkunden des Stadtarchivs bis zum Ende des Mittelalters, in den Stadtbüchern auch bis zu diesem Zeitpunkte und in den Schöppenbüchern bis zum Jahre 1424 keine Nachricht über eine Pulvermühle zu finden sei. Die Petro-Paulinische Kirchenchronik, eine Handschrift vom Ende des 17. Jahrhunderts, erwähnt die erste Pulvermühle im Jahre 1624: „Anno 1624 d. 19. Juli geht die Pulvermühle im Rauch auf: erstlich die Offizin, da bleibet Meister und Junge; hernach die Stube, worinnen in die 16 Zentner Pulver gelegen, mit erschrecklichem Krachen, Beben und Schaden der ganzen Stadt. Die Meisterin springet in die Bach und wird salviret. Anno 1685, den 6. Dezember, zwischen 7 und 8 Uhr des morgends (ist die neue Pulvermühle) abermals in die Luft geflogen, darinnen damahls in der 40 Pfund gewesen, und die Mühle stille gestanden, da gleich der Geselle darin gewesen, so sehr beschädigt worden.“