Die Torsionsgeschütze des Altertums wurden im Mittelalter von einfachen Schleudergeschützen verdrängt. Diese, Bliden genannt, trugen einen senkrecht stehenden Balken auf wagerechter Achse. Diese Achse saß nahe dem unteren Ende des Balkens, wo ihm ein schweres Gewicht, meist ein Kasten mit Steinen, angehängt war. Das über die Achse hinausragende lange Ende des Balkens trug eine Lederschleuder oder einen Löffel für die Steinkugeln. Zum Schuß zog man den langen Balken zur Erde herunter, legte die Steinkugel ein und ließ die Sperrvorrichtung des Balkens los, so daß die Kugel weit weggeschleudert wurde.

Wie die Torsionsgeschütze des Altertums ausgesehen hatten, war völlig in Vergessenheit geraten. Die verschiedensten Versuche, Geschütze wieder herzustellen, waren mißlungen. Erst den unausgesetzten Bemühungen von Oberst Schramm und Professor Schneider gelang es, solche Geschütze wieder entstehen zu lassen. Im Jahre 1904 wurden sie unserm Kaiser vorgeführt. Auf der Saalburg, auf der Hohenkönigsburg, in Goslar und im Berliner Zeughaus kann man jetzt die Geschütze des griechischen Altertums wieder genau kennen lernen.


14.
Über das Rauchen in römischen Legionslagern.

Ein römischer Soldat an einem keltischen Grenzwall, mit Schwert, Schild und Lanze in Feindesland auslugend, die kleine Pfeife gemütlich im Mund.

Ist das ein Kalauer? Ist’s Wahrheit?

Dies Bild ist das Ergebnis aus zahlreichen Funden, die wir in keltischen Siedelungen und römischen Militärstationen von Deutschland, Frankreich, England, Spanien, den Niederlanden und der Schweiz gemacht haben. Bei den Waffen und Geräten, die aus jener Zeit stammen, fanden sich insgesamt hunderte kleiner Pfeifen aus Ton und Metall. Besonders die Museen der Schweiz sind reich an solchen alten Soldatenpfeifen.

Schwierig bleibt die Beantwortung der Frage, was man sich damals in die Pfeife stopfte, da doch der Tabak erst anderthalb Jahrhunderte später durch die Entdeckung Amerikas in Europa bekannt wurde. Man vermutet, daß man Lawendel oder Hanf rauchte.

Man kann sich für diese Vermutung sogar auf eine Stelle des vielgereisten Herodot stützen, der schon ums Jahr 440 vor Christus sagt: „Die Skythen nehmen die Körner vom Hanf, kriechen unter ihre Filzzelte und werfen Hanfkörner auf glühende Steine. Wenn die Körner darauf fallen, qualmen sie und verbreiten einen solchen Rauch, daß kein hellenisches Dampfbad darüber kommt. Die Skythen aber heulen vor Freude über den Dampf.“ Sicherlich ist hier eine Erquickung am Dampf des Hanfsamens geschildert. Herodot hat den Vorgang wohl nicht genau beobachtet, oder man hat erst in späterer Zeit das erquickende Einfangen des Rauches praktischer, und vor allen Dingen tragbar gestaltet, indem man das Pfeifenrohr erfand.

Es scheint sogar, daß man auch im Mittelalter die Pfeife noch vereinzelt kannte. Es fanden sich nämlich vor einigen Jahren in der aus dem elften Jahrhundert stammenden Kirche von Hubeville und im Kloster von Corcumare in Irland zwei Figuren, die Männer in Gewändern der Karolingerzeit darstellen. Beide Figuren halten kurze Pfeifen zwischen den Zähnen.