Zur praktischen Verwendung kamen die durch Windkraft bewegten Wagen im 16. Jahrhundert. Besonders gerühmt wird das Fahrzeug, in dem Prinz Moritz von Nassau-Oranien — bekanntlich einer der Ahnen des deutschen Kaisers — nach der Schlacht von Nieuport (2. Juli 1600) mit dem gefangenen Admiral Don Francisco de Mendoza „an den holländischen Ufern, wo es eben war, zur recreation angefahren“. Es gibt von diesem Wagen verschiedene Darstellungen, die einen flach gebauten, langen Wagen zeigen, der von zwei großen Segeln fortbewegt wird. Es erschien damals aber auch ein prächtiger Kupferstich, der den Wagen in übertriebener Form zeigt. Ich bilde ihn hier nach einer Photographie ab und verweise auf die Geschützrohre und auf den Mann unter dem Großsegel, der das Herannahen des Wagens durch Hornsignale ankündigt.
52.
Brief-Schießen.
Wäre ich nicht in Neuß auf die Welt gekommen, so hätte ich seine Chronik wohl nie gelesen, und könnte nicht von der sonderbaren Begebenheit erzählen, die sich zutrug, als diese Stadt, die am Niederrhein bei Düsseldorf liegt, im Jahre 1475 von Karl dem Kühnen und dem Bischof von Köln belagert wurde. Die Stadt war eng vom Feinde umschlossen, und so der Besatzung und den Einwohnern jede Verbindung nach außen hin abgeschnitten. Die Kölner Bürger waren mit ihrem Bischof nicht einig, und sie beschlossen denn den Neußern Schießpulver und Lebensmittel zuzuführen. Doch ihre Versuche scheiterten an der Wachsamkeit der Belagerer. So verfielen sie denn auf eine List. Sie schossen am 21. April 1475 drei Kanonenkugeln, in denen Briefe enthalten waren in die Stadt Neuß hinein. Die Neußer, zunächst bestürzt über die Beschießung, schöpften aus der Hülfe, die die Kölner ihnen in ihrer Kugelpost versprachen, neue Hoffnung. Einen ganzen Monat lang ging diese Kugelpost zwischen Neuß und dem Lager der Kölner Bürger über die Köpfe der Belagerer hinweg. Bald schossen die Neußer einen Brief, bald antworteten die Kölner auf gleiche Weise. Das Stadtarchiv in Köln besitzt noch heute die aus Neuß herausgeschossenen Originalbriefe. Die Neußer Chronik berichtet über diese sonderbare Postverbindung in einem Kapitel „wie uyssz (aus) dem coelschen heir (Heer) troestlich brieve binnen Nuyß geschossen wurden“.
Die Erfindung der Kölner besingt der Neußer Chronist:
Köln! Dich mag Gott bewahren!
In Dir sind viele wohl erfahren
Und tapfere Mannen eingesessen,
Und Weisheit groß und ungemessen.
Alwo die Kunst man hat erfunden,