War aber die Heimat bedroht, galt es den Feind niederzuringen, dann fragte man nicht nach Innungswesen und Zunftregeln. Dann durfte der Rotschmied auch einmal gehämmertes Messing verarbeiten, während er sonst nur gegossene Ware behandeln und verkaufen konnte, und der Messingschlager durfte seine gehämmerte Ware sogleich blank schaben, ohne vom Nachbarn, dem Meister Messingschaber, sogleich beim Rat verklagt zu werden.

Eine sehr interessante Maschine — eine der zahllosen, die beim Festungsbau zur Entwässerung, Gründung, Erdanschüttung in Gebrauch waren — zeigt uns der Ingenieur Besson in einem ums Jahr 1565 geschriebenen, häufig herausgegebenen und auch (wie die meisten ähnlichen Werke jener Jahrhunderte) in deutscher Sprache erschienenen Buch.

Wir sehen von Künstlerhand gestochen, einen Festungsbau. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß man diese Maschine damals praktisch anwendete, sonst hätte man nicht einen namhaften Künstler der damaligen Zeit herangezogen, um sie zu verewigen. Es soll der Zwischenraum im Mauerwerk einer Festung mit Erde ausgefüllt werden. Nach außen hin die starke Mauer, nach innen hin eine schwache Mauer, dazwischen Erdreich. Mittelst einer Eimerkette wird die Erde nach oben befördert. Man läßt diesen Eimerkettenbagger aber noch nicht selbst schöpfen, sondern füllt die Eimer unten mittelst Schaufeln. Der Antrieb erfolgt durch ein Schneckenrad.

Die Eimerkettenbagger wurden im Jahre 1753 wieder erfunden, aber erst im Jahre 1859 kamen sie in die Praxis.


75.
„Uraltes“ aus China.

Vergleichen wir einmal die beiden voraufgehenden Bilder. Beide zwei Kettenbagger mit Eimern. Beide Maschinen beim Festungsbau, die Menschen an beiden Baggern in gleicher Zahl und Stellung, und auch die technischen Einzelheiten fast völlig übereinstimmend. Es fällt uns zunächst nur auf, daß auf dem zweiten Bild Chinesen und chinesische Schriftzeichen zu sehen sind.

Nun hat wohl jeder schon einmal von dem „uralten chinesischen Lexikon“ gehört, das, aus vielen hundert Bänden bestehend, eine unausschöpfliche Quelle menschlicher Weisheit sein soll. Man weiß auch, daß chinesische Kaiser und Weisen schon vor Jahrtausenden alle möglichen wichtigen Erfindungen, so etwa den Pflug, das Papier, den Kompaß und ähnliches erfunden haben sollen.

In dem großen chinesischen Wörterbuch, das auch in mehreren Exemplaren in Deutschland vorhanden ist und aus über 1600 Bänden besteht, findet sich die hier abgebildete Baggermaschine und noch eine Menge anderer geistreicher Apparate abgebildet und beschrieben.

Man kann also wohl daraus schließen: die Chinesen sind die Erfinder aller dieser Maschinen. Man hat diesen Schluß auch genügend oft und genügend laut getan. Es gibt ja bei uns immer noch Leute, die alles, was „von fremd her“ kommt, bis über die Puppen loben.