Das Auto hält an. Der Betrunkene wird ersetzt durch einen Krüppel, dem beide Beine fehlen, und ein Paar künstlicher Beine wird davor gelegt. Die Auswechslung der Personen ist in Figur 52 wiedergegeben. Dann tritt der kinematographische Apparat wieder in Tätigkeit; das Auto, dessen Weg genau vorgezeichnet ist, fährt nochmals heran und saust darüber hinweg. Nachher, wird die Aufnahme abermals unterbrochen und der Krüppel wieder durch den Betrunkenen ersetzt.
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| Szenen aus einem Trickfilm. | |
Fig. 52. Erklärung des Trick: Die Auswechslung der Personen.
Von diesem einfachen Hilfsmittel der Aufnahme-Unterbrechung wird häufig Gebrauch gemacht. Der Film, geduldig wie er ist, reiht Bild an Bild auf, wie und wann es dem Photographen gefällt. Und das Publikum bekommt nachher die Bilder in sausender Folge vorgeführt; es merkt nicht, daß der Kinematograph lügt, daß da zwischen einzelnen Bildern ganze Stücke fehlen — kein Wunder, daß ihm die Vorgänge zauberhaft erscheinen. Da gibt es die unglaublichsten Sachen zu sehen. Leblose Gegenstände führen einen Tanz auf; Streichhölzer spazieren aus der Dose, die sich selbst öffnet, und bauen sich zu Figuren auf; Werkzeuge leisten Arbeit, eine Säge zerschneidet ein Brett ohne Zutun. — Wie leicht ist das alles zu machen, wenn man einmal den Kunstgriff kennt, wie einfach ist die Erklärung, wenn man einmal weiß, daß die Hilfsvorgänge, die dem Zuschauer verborgen bleiben sollen, nicht mit photographiert werden!
Drollige Wirkungen erzielt man durch Rückwärtsdrehen des Filmbandes. Alle Bewegungsvorgänge kehren sich um. Pferde rennen rückwärts, Steine rollen bergauf. Der Schwimmer saust mit den Beinen voran aus dem Wasser und landet auf dem Sprungbrett, dann fliegen ihm die Kleider an den Leib. Der Raucher saugt den Rauch aus der Luft auf und seine Zigarre brennt immer länger — denken Sie es selbst weiter aus!
Die Hilfsmittel des Photographen sind damit nicht erschöpft. Er schafft die wunderbarsten Effekte, indem er Aufnahmen kombiniert und übereinanderdruckt. Dem Träumer erscheinen winzig kleine Feen, die aus Blumen entsteigen und einen Reigen aufführen; oder es taucht eine Miniatur-Tänzerin in einem gefüllten Wasserglas auf, um sich dazu zu bewegen und dann wieder allmählich wie im Nebel zu verschwinden. Kurz, kein Märchen ist so seltsam, keine Phantasie so erfindungsreich, als daß nicht der Kinematograph ihr beikäme und die Gedanken in seine Lichtbilder-Wirklichkeit umzusetzen vermöchte.
Fußnoten:
[D] Mit Genehmigung der Charles Urban Trading Co., London.
Fig. 48.
Fig. 49.
Fig. 50.
Fig. 51.