Nun das Programm! — Ich denke hierbei an eigentliche kinematographische Vorführungen, wie solche z. B. in den zahlreichen Kinematographen-Theatern veranstaltet werden. Wenn man sich da zunächst umsieht, was auf dem Gebiete der Filmfabrikation geleistet wird, so muß man geradezu staunen; Phantasie und Unternehmungsgeist überbieten sich, immer Neues und Originelles zu schaffen. Die Auswahl an Sujets ist ganz enorm; leider aber findet sich manches Stück darunter, dessen Vorführung lieber unterbliebe. Jeder Leiter eines Kinematographien-Unternehmens tut gut daran, sein Programm rein zu halten von solchen Bildern, die verrohend wirken und die Sensationslust der Menge züchten; er halte fest an dem Grundsatz, nur Darstellungen zu geben, welche Belehrung und Unterhaltung im edlen Sinne bieten.

Für die Zusammenstellung des Programms läßt sich natürlich kein allgemein gültiges Schema geben. Bei der Auswahl der Bilder muß man sich zunächst nach dem Publikum richten. In einer Industriestadt z. B., wo man hauptsächlich mit Fabrikarbeitern zu rechnen hat, wird man andere Zusammenstellungen wählen, wie in einem Landstädtchen oder in einem Militärplatz; und für Kinder hinwieder wird man ein anderes Programm machen als für Erwachsene. In dieser Hinsicht mag es vielleicht schwer sein, von vorneherein das Richtige zu treffen: Es gilt daher beobachten, welcherlei Bilder am besten gefallen.

Ist man hierüber im klaren, so heißt es nun, Sujets auszusuchen, welche zusammen passen, und diese dann in geeignete Reihenfolge zu bringen. Da muß der Leiter des Unternehmens zeigen, was ihm an Erfahrung, Geschick und Geschmack eigen ist; er nehme diese Arbeit nicht zu leicht, denn der Erfolg hängt doch in erster Linie von seiner Darbietung ab. Die Bilder mögen an sich noch so schön sein, werden sie wahllos bunt durcheinander gezeigt, so kann ihre Wirkung zerstört werden; der Gesamteindruck der Vorführung wird dann keinesfalls befriedigend ausfallen.

In der Aufeinanderfolge der Darstellungen sind harte Gegensätze zu vermeiden; es wäre z. B. verfehlt, auf einen »Film zum Totlachen« eine grausige Tragödie zu bringen. Das Programm soll in allen Teilen abgestimmt und harmonisch sein; diese Forderung ist hier ebenso berechtigt wie bei einem Konzert, wo man nicht nur schöne Musik zu hören wünscht, sondern auch eine geschmackvolle Zusammenstellung auserlesener Stücke verlangt. Ein erfahrener Unternehmer wird nicht das Beste zuerst bringen; er wird vielmehr für eine gewisse Steigerung sorgen, um dadurch das Publikum in Spannung zu halten. Auf keinen Fall darf die Vorführung auf die Dauer ermüdend wirken, was z. B. eintreten kann, wenn man des Guten zuviel tut. Das Einlegen von Pausen ist unbedingt erforderlich. In den Kinematographen-Theatern wickelt sich das Programm in der Regel in einer bis anderthalb Stunde ab, und zwar wird es in drei Abteilungen gebracht, zwischen denen Pausen von etwa 10 Minuten liegen.

Es ist üblich, jedes Bild durch einen Titel anzuzeigen; diesen Brauch halte man unbedingt bei. Besteht ein Film aus mehreren Abteilungen, so empfiehlt es sich, den Übergang zu jeder neuen Szene ebenfalls durch eine »Überschrift« zu kennzeichnen. Gelegentlich wird es möglich sein, das Programm unter einem bestimmten Motto herauszugeben, und wenn das geschickt gemacht wird, so gewinnt die Vorführung dadurch unbedingt an Interesse. Natürlich muß dabei Eintönigkeit vermieden werden. Welche Abwechslung läßt sich z. B. schaffen in einem Programm mit dem Motto: Reise um die Erde in so und so vielen Szenen oder Bildern! Da kann man Landschaften, Panoramas, Straßenszenen, Seestücke, Darstellungen aus dem Volksleben, Jagd- und Tierbilder, und wer weiß was sonst noch, vereinen, auch geeignete humoristische Films lassen sich darin unterbringen. Es ist kein schlechter Gedanke, zwischendurch einige »stehende Lichtbilder« zu zeigen, welche auf das gemeinsame Thema Bezug haben. Das Programm erfährt dadurch eine treffliche Ergänzung; gleichzeitig wird so der Zuschauer davor bewahrt, durch die ewige Bewegung auf der Wand, der das Auge rastlos folgen soll, zu ermüden. Es gibt eine Art Erholungspause.

Daß man durch Einschalten von »Nebelbildern« das Programm noch prächtiger ausgestalten kann, darauf möchte ich hier immerhin aufmerksam machen. Der Nebelbilderapparat besteht bekanntlich aus zwei oder drei Projektionslaternen, die unter einem Winkel über- oder nebeneinander so aufgestellt sind, daß ihre Lichtkreise auf der Wand sich decken, und aus einem Dissolver, d. h. einer Vorrichtung, welche die Bilder ineinander übergehen, oder, wie man sagt, »verschwinden« läßt. Die beigegebene Abbildung ([Fig. 110]) zeigt z. B. einen aus drei übereinander stehenden Laternen gebauten Apparat, deren untere mit Kinematograph versehen ist und lebende Lichtbilder wirft, während die beiden oberen zur Darstellung von Nebelbildern sowie auch einfachen stehenden Lichtbildern dienen. Man kann die Einrichtung auch so treffen, daß für beide Zwecke besondere Apparate benutzt werden, daß man also eine Laterne mit Kinematograph für sich aufstellt und daneben eine Doppellaterne.

Fig. 110.