Bei der in [Fig. 81] dargestellten Lampenform, wo die positive Dochtkohle wagerecht angeordnet ist, muß man ebenfalls dauernd darauf achten, daß die beiden Kohlenspitzen richtig zueinander stehen und eine günstige Lage des Kraters herbeiführen. Wenn nötig, ist zu korrigieren. Diese Anordnung der Kohlenstifte im rechten Winkel gegeneinander ist vorteilhaft bei Stromstärken bis zu 30 Ampères.

Die Wahl der richtigen Kohlenstärke — das gilt allgemein — ist von großer Wichtigkeit: sind die Kohlen zu dick, so erhält man kein ruhiges Licht, indem der Krater wandert; benutzt man zu dünne Kohlen, so muß man infolge starken Abbrennens häufig nachstellen, die Stifte glühen weit hinauf und entwickeln eine unnütze Hitze. Man spanne die Kohlen im Halter gut an. Werden sie bei kalter Lampe lose eingesetzt, so fallen sie, nachdem die Lampe erhitzt ist, leicht heraus. Spannt man die Kohlen andererseits bei heißer Lampe zu fest an, so mögen sie beim Abkühlen der Halter brechen.

Während es bei Gleichstrom leicht ist, dauernd eine gute Lichtausnutzung zu erzielen, bietet dies bei Wechselstrom Schwierigkeiten. Die erfahrenen Vorführer arbeiten sich ihre Methode aus, mit der sie das beste Licht bekommen, und es ist wohl schwer zu sagen, welche Anordnung am besten ist; denn die Übung spielt dabei eine große Rolle. Vielfach stellt man die Kohlen senkrecht übereinander, sehr häufig findet man die Gleichstromstellung, wobei nur einer der beiden Krater zur Geltung kommt, angewandt, während andere wieder eine Winkelstellung der Kohlen bevorzugen. Der eine benutzt zwei Dochtkohlen, der andere zwei Homogenkohlen, der dritte findet es besser, wie bei Gleichstrom oben eine Docht- und unten eine Homogenkohle zu nehmen. Die Winkelstellung erscheint auf jeden Fall für hohe Stromstärken, etwa über 30 Ampères, weniger gut geeignet; der Lichtbogen ist schwerer ruhig zu halten und man verliert leicht die Kontrolle über den Krater. Bei der senkrechten Stellung der Kohlen muß man den Abstand der Spitzen ziemlich gering halten; andernfalls macht sich auf dem Schirm ein dunkler Streifen bemerkbar und außerdem neigt sonst der Lichtbogen dazu, herum zu tanzen. Macht man den Abstand zu gering, so leidet dadurch die Helligkeit. Man muß die Kohlen häufig nachstellen, denn es ist sehr wenig Spielraum im Abstände der Spitzen, und oft durch das Fensterchen kontrollieren. Wenn der Krater sich an falscher Stelle, z. B. nach rückwärts, bildet, so suche man durch Verstellung der oberen Kohle eine Besserung herbeizuführen. Die Triebverstellung sollte aber ganz langsam und vorsichtig, nicht stoßweise, erfolgen, denn der Lichtbogen ist äußerst empfindlich. Unter Umständen empfiehlt es sich, wenn der Krater verändert werden muß, den Lichtbogen auf einige Minuten länger zu machen. Auch bei neuen Kohlen lasse man den Bogen zuerst lang brennen. Viele Vorführer feilen die beiden Dochtkohlen auf einer Längsseite flach, wobei sie die Stifte in einen V-förmigen Ausschnitt eines Brettes legen, und bringen die flachen Seiten gegen den Kondensor. Das gleiche: Begünstigung der Kraterbildung nach vorne, erzielt man mit exzentrischen Dochtkohlen. Andere wieder arbeiten stets mit zugespitzten Kohlenstiften, um dadurch den Lichtbogen stabiler zu halten. Die Gleichstromstellung der Kohlen bietet eine leichtere Handhabung, sie gibt aber eine etwas geringere Lichtausnutzung und erfordert daher etwas mehr Strom. Auch hier muß man häufig nachstellen und den Abstand der Spitzen möglichst gleichmäßig halten.

Eingangs wurde darauf hingewiesen, daß man den Widerstand nicht von vornherein auf die volle zur Verwendung kommende Stromstärke stellen solle. Beim Zünden der Bogenlampe steigt nämlich die Stromstärke momentan sehr stark an — wenn z. B. in einem Netze von 110 Volt man den Widerstand auf 50 Ampères gestellt hat, so steigt sie über 100 Ampères — und dabei kann leicht die Sicherung durchschlagen. Also stets den Widerstand eingangs auf eine geringe Stromstärke einstellen, und erst nach dem Zünden weitere Kontakte einschalten! Bekommt man beim Zünden kein Licht, so ist irgendwo der Strom noch unterbrochen; man prüfe mit Ruhe und systematisch alle Drahtverbindungen und sehe die Sicherungen nach. Man halte Reservestöpsel für die Sicherungen vorrätig.

Die Bogenlampe muß hinreichend oft gereinigt werden. Auf die Zahntriebe gebe man besser Talk als Öl. Aufgelagerter Kohlenstaub kann über die Isolation hinweg die Bildung eines Lichtbogens veranlassen.

Das Kalklicht.

Das Kalklicht ist ein Glühlicht, und man kann es mit dem Gasglühlicht vergleichen, bei welch letzterem die mit Luft gemischte Leuchtgasflamme einen feinen Glühkörper, den Glühstrumpf, in Weißglut versetzt. Zum Unterschiede hiervon bedient man sich beim Kalklicht eines massiven Glühkörpers, des Kalkstückes, und an Stelle des luftgemischten Leuchtgases, das hier nicht kräftig genug ist, benutzt man eine Mischung von Leuchtgas und Sauerstoff (sozusagen »stickstoffreier Luft«), die im Kalklichtbrenner eine intensive Stichflamme liefert und, gegen das Kalkstück gerichtet, ein herrliches, blendend weißes Licht abgibt. Ich will hier nun zunächst einen Überblick über die Darstellungsweise geben, um nachher näher auf die Einzelheiten einzugehen.

Das Kalklicht wurde von Drummond im Jahre 1826 erfunden. Heute ist die Darstellung desselben bedeutend bequemer gemacht, indem man den Sauerstoff in Stahlflaschen verpackt bekommen kann, während man ihn früher selbst entwickeln mußte. Die Verwendung dieses komprimierten Sauerstoffes bietet noch den Vorteil, daß man damit ein viel kräftigeres Licht erzielen kann. Man läßt dazu den Sauerstoff unter ziemlich starkem Druck (1/2 bis 1 Atmosphäre oder noch mehr) in den »Starkdruckbrenner« blasen, wo er das von der anderen Seite zugeführte Leuchtgas ansaugt, sich damit mischt und nun eine Stichflamme von mächtiger Kraft erzeugt.

Eine solche Kalklicht-Einrichtung ist in der Abbildung [Fig. 86] dargestellt. Man sieht da den Starkdruckbrenner, auf den ein zylinderförmiges, durchlochtes Kalkstück aufgesetzt ist, und die mit komprimiertem Sauerstoff gefüllte Stahlflasche, woran ein Druckreduzierventil und ein Inhaltmesser geschraubt werden. Der Sauerstoff ist nämlich unter einem Druck von 100‑120 Atm. eingefüllt, und da er nur mit etwa 1/2‑1 Atm. in den Brenner zugelassen wird, muß der Druck zunächst reduziert werden, und dies geschieht durch das Druckreduzierventil. Dasselbe ist mit einem Manometer A versehen, welches den Arbeitsdruck des Sauerstoffs anzeigt, und hat ferner ein Stellrad R zur Einstellung des Arbeitsdruckes: je weiter man das Stellrad R (rechtsum) dreht, desto stärker wird der Arbeitsdruck und desto intensiver gleichzeitig das Licht. So kann man die Helligkeit des Kalklichtes, auch während der Vorführung, innerhalb weiter Grenzen bequem regulieren. J ist der Inhaltmesser, mit dem man bestimmen kann, wieviel Sauerstoff die Flasche noch enthält, K der Verschlußhahn der Flasche, der beim Transport (nachdem Reduzierventil und Inhaltmesser abgeschraubt sind) durch eine übergeschraubte Eisenkappe geschützt wird. Bei H ist der Schlauch aufgesteckt, der zum Brennerhahn S geführt wird, während der linke Brennerhahn L mit der Leuchtgasleitung verbunden wird. Das Kalkstück läßt sich auf dem Brenner mit einem Triebe drehen, so daß man der Stichflamme, die nach und nach ein Loch hineinfrißt, von Zeit zu Zeit eine neue Angriffsfläche bieten kann. Ein zweiter Trieb gestattet die Entfernung des Kalkstückes von der Brennerspitze einzuregulieren.