Über das Arbeiten mit komprimierten Gasen ist zunächst folgendes zu bemerken. Stahlflaschen für Wasserstoff sind rot gestrichen und mit Linksgewinde versehen; desgleichen haben dazu gehörige Druckreduzierventile und Inhaltsmesser Linksgewinde. Man hat dies vorgeschrieben, damit Verwechslungen mit den für Sauerstoff bestimmten Behältern und Instrumenten unmöglich gemacht werden. Alle Teile, mit denen der Sauerstoff in Berührung kommt, müssen gänzlich frei von Oel und Fett gehalten werden, weil dadurch eine gefahrbringende Zersetzung des Gases herbeigeführt werden kann; deshalb ist die Verwendung der gewöhnlichen Kohlensäureventile unter allen Umständen zu verbieten.
Die Stahlflaschen werden amtlich auf eine entsprechend höhere Atmosphärenzahl abgeprüft, und zwar wird diese Prüfung vorschriftsgemäß alle drei Jahre wiederholt; das betr. Datum findet man darauf eingeschlagen.
Die Flaschen sind mit einem Ventilhahn versehen, dessen seitliche Auslaßöffnung durch eine aufgeschraubte kleine Messingkappe verschlossen ist. Zum Schutze des Hahnes beim Transport dient eine große darüber geschraubte Kappe. Es sei noch bemerkt, daß in Deutschland gefüllte Sauerstoffflaschen jetzt auch als Eilgut zugelassen sind und daß leere Flaschen zum halben Frachtpreis befördert werden.
Das Druckreduzierventil.
Das Druckreduzierventil, welches den hohen Druck des Gases herabmindert, wird mittels der Mutter an die Flasche angeschraubt, wobei man den zugehörigen Schraubenschlüssel zum festen Anziehen benutzt. Es ist dabei folgendes zu beachten: In der Mutter liegt gegen das Rohrstück ein kleiner Ring aus Leder oder Vulkanfiber, der zur Abdichtung dient und nicht fehlen darf, da sonst an dieser Stelle Sauerstoff entweicht. Sollte der Ring einmal verloren gehen, so schneide man einen solchen aus einem Stückchen Leder oder wickle starken Bindfaden um das Rohrstück. Das Druckreduzierventil ist außer der Handstellschraube, welche den Arbeitsdruck reguliert, und dem Manometer, welches diesen Druck anzeigt, noch mit einem Sicherheitsventil versehen; dieses macht einen überstarken Arbeitsdruck unmöglich und ist so eingestellt, daß der Sauerstoff bei einem Druck über 1 1/2 Atmosphären selbsttätig abbläst. Zum Anschluß an den Brenner ist ein abschraubbarer Schlauchansatz vorgesehen, worauf man den Verbindungsschlauch am besten mit einem Drahte befestigt.
Inhaltsmesser und Inhaltsbestimmung.
Wenn ein Inhaltsmesser zur Verwendung kommt, was sehr zu empfehlen ist, so wird er zwischen Stahlflasche und Druckreduzierventil geschraubt, wobei vorherige Prüfung, ob der Dichtungsring in der Mutter vorhanden ist, und festes Anziehen mit dem Schraubenschlüssel nicht zu unterlassen sind. Der Inhaltsmesser ist ein kleines Manometer, das zwar nicht direkt den Inhalt angibt, sondern den Druck anzeigt, unter welchem sich der Sauerstoff in der Flasche befindet. Daraus aber kann man den Inhalt leicht berechnen. Der Rauminhalt der meist gebrauchten Flaschen ist nämlich ungefähr 10 Liter; ist nun der Sauerstoff unter einem Druck von 120 Atmosphären angefüllt, so zeigt der Inhaltsmesser auf die Zahl 120 und der Inhalt beträgt 10 × 120 = 1200 Liter Sauerstoff. Wird nun Gas verbraucht und zeigt der Inhaltsmesser nach einiger Zeit beispielsweise auf 95, so wissen wir, daß noch 10 × 95 = 950 Liter Sauerstoff in der Flasche enthalten sind. Den genauen Rauminhalt findet man oben an der Flasche eingeschlagen; mit dieser Zahl hat man die angezeigte Atmosphärenzahl zu multiplizieren. Beim Arbeiten mit dem Inhaltsmesser ist der Ventilhahn der Stahlflasche langsam und vorsichtig zu öffnen, weil bei schneller Öffnung das Instrument durch den plötzlich eintretenden Gasdruck einen heftigen Stoß erhält und dadurch Schaden leiden kann.