»So schneide die Kinder ab und wirf ihre Leichen dort auf den frischen Scheiterhaufen. Die Nacht ist kalt und schwarz, frisch vorwärts, daß der Haufen brennt, mich friert an Leib und Seele!«
Und bald züngeln neue Flammengarben in rotem Scheine durch die Nacht zum Himmel auf — o Würzburg, deine Kinder sind's, die nun zu Asche brennen!
— — Im Namen des Gesetzes! — —
15. Kapitel: Der Wahrheit Sieg
Die Aufregung der Bewohner Würzburgs hatte den höchsten Grad erreicht! Spees Wort — sie sind unschuldig, hatte den aufgehäuften Zündstoff außerordentlich vermehrt. Man stritt überall über die Schuld oder Nichtschuld der Gerichteten, beide Ansichten wurden mit der äußersten Hartnäckigkeit verfochten, die zuletzt geradezu in unheilbare Erbitterung auszuarten drohte.
Zu dieser bittern, gereizten Stimmung kam noch die tiefe Trauer um die Gerichteten. Alle die Angehörigen der armen Opfer waren der Gegenstand tiefsten Mitleides, das in der wohlgemeinten Geschäftigkeit fortgesetzten Tröstens den Schmerz nicht vernarben ließ. Die ohnehin schon traurigen Vorgänge jenes verhängnisreichen Richttages wuchsen im Munde des Volkes von Stunde zu Stunde an Schauerlichkeit, und statt daß Schmerz und Leid sich in ergebender Demut Trost an den Stufen des Altares und in der stillen Zurückgezogenheit der Familie geholt hätten, wurden sie nimmerruhend vom Volke hin und her gezerrt und die Wunden stets neu zum Bluten gebracht.
Acht Tage nach der Hinmordung seiner Tochter Elsa starb auch der alte Gering. Ein Schlagfluß hatte ihn gerührt, und in Spees Armen hauchte er seine müde Seele aus. Ein seliges Lächeln lag auf des Alten Angesicht erstarrt, da man ihn zu Grabe trug. Eine ungeheure Menschenmenge gab seiner Leiche das Geleite, und ward auch viel um den Gestorbenen gebetet und geweint, so ward noch mehr gemurrt. Man sah auch in ihm, und nicht mit Unrecht, ein Opfer jenes Hexengerichtes, das viele verfluchten und verwünschten.
Spee hielt auf besonderen Wunsch des Verstorbenen, den dieser schon früher geäußert hatte, die Grabrede. Er schilderte mit ergreifenden Worten die Vorgänge der jüngsten Zeit und suchte nicht nur Balsam in die wunden Herzen, sondern auch Friede und Versöhnung in die aufgeregten Gemüter zu träufeln. Der Erfolg war nur ein teilweiser. Während sich wirklich bei vielen der wilde Schmerz in stille Ergebung kehrte, benutzten die Feinde Spees einige Äußerungen desselben, sie verdrehend und schärfend, um neuerdings gegen die Jesuiten aufzureizen.