»Ja, das kann ein jeder, der es will; er braucht nur einen, der ihm glaubt.«

»Und Blut war auch dabei?«

»Ei freilich! Ohne diesen Saft glaubt ja kein Mensch an Wunderbares. Ihr Herren selbst habt ja das Blut so gerne. Nur zapft ihr alles ab; mir war ein Tropfen Blutes genug.«

»In Ihrem ganzen Losament war weder Kreuz noch frommes Bildwerk, noch ein Weihbronnen zu sehen. Das hat Ihr wohl der Teufel anbefohlen, als Sie ihm Leib und Seele verschrieb?«

»Was Ihr nicht alles wißt! Nein, nicht der Teufel, ich selbst hab' Kreuz und Weihwasser von meiner Stube ferngehalten. Ich mag beides nicht. Das ist der Grund!«

Der Oberschultheiß und die Räte rückten vor Entsetzen mit den Stühlen und wischten sich den Angstschweiß von der Stirne.

»Hab' euch erschreckt, ihr Herren. Tut mir leid. Ich glaub' an einen Herrgott, ja. Doch mehreres? — Da lasset mich in Ruhe! Wenn wahr wäre, was ihr Gott und Gottesliebe nennt, dann wäre nicht die Welt in Glück und Elend auseinandergerissen, dann säße nicht die Schuld auf dem Richterstuhle und verdammte die Unschuld.«

»Horribile! — Ihr werten Herren Räte, beachtet wohl das Übermaß von Trotz und Bosheit, so aus diesem Weibe spricht,« mahnte der Oberschultheiß, sich an seine Beisitzenden wendend.

»Endlich hat man beobachtet,« fuhr er fort, »daß sich in Ihrem Zimmer eine ganz unnatürlich große Spinne gezeigt hat, mit der Sie höchst verdächtige Blicke gewechselt hat. Das war doch wohl der leidige Gottseibeiuns?«

»Herr, Ihr werdet lustig. Wer hat die Spinne gemessen? Und bin ich's allein, an deren Wänden Spinnen laufen? Ei, geht doch durch die Stadt und forscht und spürt nach Spinnen; ich wette, 's wird Euch bange, die ganze Stadt ist dann des Teufels, und Ihr auch.«