Da aber war noch eine Photographie.
Ein Kadett, nicht älter als dreizehn Jahre, die rechte Hand auf ein Geländer stützend, wie auf Befehl, das verängstigte Gesicht schief hinaufgedreht.
Mystischer Schreck!
Lebte der noch immer, wollte er denn nie und nimmer tot, begraben, vorbei sein? Dieser Kinderleichnam, warum schied er nicht aus meinem Blut? Mein Gott! Ich zerriß das Bild. Mein Herz brach fast dabei.
Er, der Vater, hatte es nicht unterlassen, diese Siegestrophäe in seinem Zimmer aufzustellen.
Noch etwas! Jesus! Das war ja eine der Hanteln, mit denen ich damals in den Ferien Turnübungen machen mußte. Wie schwer sie ist! Ich erinnerte mich an hundert Stunden und drückte das kalte Metall an meine Brust, diesen Zeugen von Angst und Unglück, das mich niemals verlassen hatte. Nach so vielen Jahren mußte ich sie hier finden! Das war kein Zufall.
„So lange war sie verborgen geblieben. Jetzt aber, in dieser Stunde, kommt diese alte Hantel mir entgegen, sucht mich gleichsam, lockt mich heran, mir jenen Gedanken einzugeben — einzugeben — nein zu sagen, zuzurufen, den ich sogleich verstehe.“
Ich stutzte einen Augenblick.
Sollte ich sie mißverstehen? Dieses Stück Eisen, bittet es etwa für meinen Vater, der es jahrzehntelang mit sich schleppt, der es nicht zum Gerümpel, nicht auf den Kehrichthaufen wirft, nicht dorthin, von wo es zum Schmelzofen wandern und um seine Form kommen muß.
Ist diese Hantel meiner Kindheit dem Vater für den Schutz dankbar?