Ich hatte Kameraden. Das erstemal im Leben fühlte ich den Stolz der Solidarität.
Es gab Brüder, die mich in ungeheure Ideen einweihen würden, deren Kampf mein Kampf war, den ich nun endlich beginnen wollte.
Der Alte hob mit angeekelten Fingern meinen Säbel auf:
„Da nimm! Morgen erwarten wir dich wieder in unserer Mitte. Schon in den nächsten Tagen werden die Aufträge des Zentralkomitees einlangen.“
Er winkte Herrn Seebär. Wir beide verließen dieses Zimmer und traten in ein anderes, das hellerleuchtet heiser lärmte. Betäubt stand ich in der Türe. Was waren das für Gesichter, für Gestalten, die verzerrt um den grünen Spieltisch drängten, auf dem Roulette und Gold rollte!
Wo hatte ich diese Gesichter schon gesehen?
Der Chinese, höflich, mit unbewegtem Grinsen, hielt die Bank. Ein Neger im weißen Flanellanzug zählte lippenwälzend Geld, das vor ihm lag, ein Herr in gewiß geliehenem Frack saß starr da und schielte auf seine Hände, die wie ein Haufe blutbesudelter Leichen vor ihm lagen. Ein Matrose, der seine Seefahrts-Löhnung verspielt zu haben schien, kroch unter den Tisch, wie um ein weggerolltes Goldstück zu suchen, fuhr kerzengerade empor und kroch wieder unter den Tisch. Diese Bewegung wiederholte sich hundertmal. Einen pfiffigen Kerl sah ich mit lues-zerfressener Nase, der gleichmäßig spielte. Ein gieriger, schlechtrasierter Mensch in Meßnersoutane, der eben vom Glockenläuten gekommen zu sein schien, hatte seine Barschaft beträchtlich vermehrt. Ein paar andere Gespenster noch spitzten blaß nach der rollenden Scheibe, während sie ihre Farbe und Nummer riefen.
Ein Mann aber in fremdartiger Uniform beherrschte riesig den Raum. Breitbeinig und furchtbar stand er da. Er konnte ebenso napoleonischer Gardist, wie Kinoausrufer, Opernsergeant oder italienischer Gendarm sein. Er hatte den ganzen Einsatz verloren. Tabaksgeifer rann von seinem Munde, dessen Lippen eine lang schon ausgegangene Zigarette zerpreßten.
Langsam ballten sich seine knolligen Hände zu Fäusten und fuchtelten unter der Nase des Chinesen, der höflich achselzuckend vom Croupieren nicht aufsah, und den verschnürten Lackel, dessen offener Mund jetzt ein gelbes Pferdegebiß sehen ließ, gleichmütig tröstete.