Zuerst erschrak er (denn ich war ja ein Herr Offizier), dann wurde er mißtrauisch, schließlich aber, halb ärgerlich, halb geschmeichelt, faßte er Mut, denn ich erzählte ihm, ich wäre sehr arm und hätte von meiner Leutnantsgage meine alte Mutter zu erhalten. Ich schilderte beweglich mein Elend, daß ich gezwungen wäre, die Zigaretten meiner Fassung zu verkaufen und kaum alle heiligen Sonntage dazu käme, selbst eine Zigarette zu rauchen, denn ein Schuldenmacher, wie die anderen Herren zu sein, das brächte ich nicht übers Herz.

Der Mann dachte sofort: „Da sieht man’s. Die großen Herren! Da haben wir’s ja, was hinter all der Aufdraherei, Schinderei und Schreierei steckt! Ein armer Hund, der sich schmutziger durch die Welt bringt, als unsereins. Wenn ich wieder im Zivil bin, habe ich mein Auskommen als Knecht, Raseur, Tischler, Maurer, Selcher usw. Und der da? Freche Bettler sind sie alle zusammen! Mir soll dann nur einer begegnen! Zweimal wird er mich nicht anschaun.“

Ich ging so eine Weile neben dem Gemeinen hin und sprach gehässig über die Offiziere und Feldwebel, besonders aber betonte ich, daß sie alle bestechlich seien und die Mannschaft um ihre Gebühren betrügen, indem sie die besten Lebensmittel und Sorten auf die Seite zu bringen wissen.

Das gefiel dem Mann; es war seine eigene Ansicht und er fing an, nach Beispielen und Belegen zu suchen. Plötzlich fragte ich ihn nach seiner letzten Bestrafung. Er geriet in Feuer und Wut, erzählte irgend ein Vergehen und brach in wilde Beschimpfungen gegen den Hauptmann Kallivoda, den Oberleutnant Gamsstoitner, diesen Hund, aus, gegen all’ die Namen, die mein eigenes Blut empörten.

Nun war er gänzlich warm geworden. Ich erwischte den günstigen Augenblick und bat ihn um eine Zigarette.

Halloh! Da war er ganz oben! Dem „Herrn“, dem ewig Unnahbaren eine Zigarette schenken, das schmeichelte, das war Wohlgefühl und Triumph über den aufgeblasenen Halbgott, der ein armer Lump, ein Stinker und ein Nichts ist.

Ich dankte für die Zigarette. Nicht jetzt würde ich sie rauchen, — später.

Der Mann wurde mitleidig und ich hatte ihn gewonnen.

„Das ist doch ein anderer,“ dachte er, „der hierher kommt und mit den Leuten lebt. Ich spuck mehr auf ihn, als er auf mich.“