Die zehnjährige Gertrud stickte während der letzten acht Tage vor dem Feste in der nahen Behausung ihrer getreuen Schulfreundin ihrem munteren Bruder Günther für seine beliebten Ferienausflüge eine kleine Reisetasche aus bunter Wolle zum Umhängen.
Der lebhafte Günther dagegen schnitzte dieser seiner Schwester zur Aufbewahrung ihrer niedlichen Schmucksächelchen in seinen Freistunden in der engen Familienwohnung des alten Markthelfers seines Vaters mit außerordentlicher Sorgfalt ein länglich viereckiges Kästchen aus bräunlichem Buchenholze.
Die ältere Schwester Martha häkelte nach dem jedesmaligen Abendbrode in des guten Papas geräumiger Schreibstube unter dem halblauten Gesange sinniger Lieder dem gutmüthigen Bruder Hans aus kluger Rücksicht auf seine große Liebe zu der schönen Tugend der Sparsamkeit eine mittelgroße Geldbörse von glänzenden Perlen.
Der sanfte Hans wieder flocht der geliebten Schwester Martha innerhalb dreier Tage in dem schmalen Comptoirstübchen des väterlichen Geschäftes fast ohne jegliches Werkzeug zur Bequemlichkeit bei ihren vielen Nadelarbeiten einen allerliebsten Wandkober aus feinem Silberdrahte.
Der neckische Julius endlich baute gelegentlich in der etwas düsteren Garderobenstube seiner geliebten Mutter mit sichtlichem Vergnügen seinem kleinen Bruder Leo zur zeitweiligen Unterhaltung eine mächtig große Windmühle aus dauerhafter Pappe.
Auch die brave Mutter der liebenswürdigen Kinder blieb zur Erhöhung der Festfreude für ihre Lieblinge während dieser letzten Zeit vor Weihnachten in ihren vier Pfählen bei allen sonstigen häuslichen Besorgungen nicht unthätig.
Die gute Mutter arbeitete mit geschickten Händen ununterbrochen hinter verschlossenen Thüren allen ihren Kindern für die kalten Wintertage warme Anzüge aus gleichfarbigem Tuche.
Auf diese Weise bereitete der heilige Abend alle Jahre in diesem herzlichen Familienzirkel zu aller Herzerquickung sämmtlichen Familiengliedern große Freude.
137. Ein trauriges Ende.
(Desgleichen.)