Mit Reue dachten sie an ihre Vergangenheit und an ihr einstiges Vaterland zurück, wo sie ein Leben in Wohlsein und ohne alle Trübsal geführt hatten. Die Sehnsucht nach dem alten Daheim ergriff sie, aber es fehlte ihnen am Besten, die Rückreise anzutreten. So sanken die armen Deutschen immer tiefer ins Unglück. Nirgends fanden sie Trost und Beistand. Sie mußten in ihrem kümmerlichen Dasein ausharren, bis sie der Tod von allem Jammer erlöste.

11. Gastfreundschaft.

(Doppelhauptwörter.)

An einem einsamen Waldrande lag eine Köhlerhütte. Das niedere Strohdach war vom Sturmwinde zerzaust und bedurfte der Ausbesserung. Wo aber sollte der arme Waldarbeiter Dachstroh hernehmen? Sein Tagelohn langte kaum zur Morgensuppe, zur Mittagsmahlzeit und zum Abendbrode für sich und seine Kinderschaar. Auch die dünnen Lehmwände der Köhlerwohnung zeigten Zerstörungsspuren. Regengüsse und Hagelwetter hatten sie gepeitscht, den Kalkbewurf abgespült und das Lehmwerk durchlöchert, sodaß zur Winterszeit die rauhen Nordweststürme ungehindert hindurchpfeifen konnten. Ein Hausthürverschluß war nicht mehr möglich, denn die Thürschloßfeder war zersprungen. Die Fensterscheiben vertrat hier und da ein Streifen von Kaffeedütenpapier oder ein Volkskalenderblatt.

An einem Herbstabende saß die Köhlerfamilie um den schmalen Holztisch und verzehrte ihre Abendmahlzeit. Da trat plötzlich ein vornehmer Jägersmann, einen schmucken Filzhut mit einer Birkhuhnfeder auf dem Kopfe, einen Hirschfänger mit Perlmuttergriff, ein Pulverhorn mit Silberquaste an der Seite und eine Schrotflinte auf dem Rücken, ein. Er erklärte, daß er von seinem Jagdgefolge abgekommen, auf verschiedene Kreuzwege gerathen sei und so sammt seinem Dachshunde und Windspiele den Hauptwaldpfad verloren habe. Schließlich bat der Waidmann um ein Nachtquartier und sei es auch nur ein Dachkammerraum mit einem Strohlager.

Die braven Köhlereheleute erklärten sich zu diesem Liebesdienste gern bereit und luden den vornehmen Stadtherrn ein, wenn er Hunger habe, mit ihnen Kartoffelsuppe und Butterbrodschnitte nebst Quarkkäse zu essen. Der Jägersmann dankte, da er kein Magenbedürfniß verspüre.

Während ihm nun das Nachtlager auf der breiten Ofenbank bereitet wurde, unterhielt er sich in scherzhafter Weise mit dem Kinderkreise. Er gab den Knaben Buchstabenräthsel und recht lange Hauptwörter zum Nachsprechen auf, um ihre Zungenfertigkeit und Sprachgewandtheit auf die Probe zu stellen. So mußten sie z. B. die Riesenhauptwörter nachsprechen: Dudelsackpfeifenmachergeselle, Schornsteinfegerknabenwassersuppentellerrand, Pulvermühlennachtwächterseitengewehrscheidenspitzenknopf.

Den Kindern machte diese Zungenarbeit viel Spaß. Als das Ofenbanklager fertig war, begaben sich der Fremde und auch die Köhlerfamilie zur Ruhe. Wie sehr aber erschrak und erstaunte der alte Hausvater am andern Morgen, als ihm der Nachtgast mit Sonnenaufgang fünf Kronenthaler in die harte Arbeitshand drückte und ihm beim Abschiedsgruße sagte, daß er dem Kronprinzen Gastfreundschaft gewährt habe.

12. Eine musterhafte Schülerin.

(Nichthauptwörter zu Hauptwörtern erhoben.)